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kicktipp

Heimsiege gehen in 40% der Fälle mit nur einem Tor Unterschied aus. Das ist eine wichtige Information, wenn man vernünftig tippen möchte. Ich ja nicht, Vernunft liegt mir fern, zwar ist mir klar, dass man mit dem Verstand tippen sollte und nicht mit dem Herzen, aber ich mache es noch einmal anders und falsch: Ich tippe mit dem Gefühl. Das verändert sich konstant, stündlich oder mindestens täglich, und diese tippende Gefühlsduselei könnte ich jetzt vollends ausleben, denn ich habe entdeckt, dass es tatsächlich auch eine App zur Tipprunde gibt: Tipps zu jeder Zeit, an jedem Ort; das Einzige was bleibt, ist die Veränderung.

Das 0:3 rühre ich nicht dennoch nicht an, zwar hat @estadox mit seiner Einschätzung sicher Recht, aber so ist das mit getipp­ten Gefüh­len: Manch­mal verliert man aus Trotz.

Nachtrag: Tatsächlich kann man die je nach Spielständen wechselnden Platzierungen in der Tipprunde am Spieltag live beobachten, mit jeder Veränderung wird auch die Tipp-Tabelle aktualisiert.

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Die Zeitarbeiter
Deutschland vs. Brasilien (3:2)

Wie jetzt, Länderspiel? Das ist doch schon ewig her, zwei Tage oder drei, so genau weiß man es kaum mehr, aber das passt ja; alte Menschen erzählen von gestern. Nach achtzehn Jahren hat Deutschland Brasilien geschlagen, jetzt muss man also nach vorne schauen und da ist nur Spanien, sagt Lahm, »die Euphorie ist berechtigt.«

Dass Brasilien richtig schlecht gespielt hat, ist nicht relevant, die Zeiten sind eben vorbei, als man den Atem anhielt, wenn einer der südamerikanischen Weltklassespieler am Ball war. Und außerdem kann man ja immer nur spielen, was ein Gegner zulässt, Deutschland hat kaum etwas zugelassen, nur zwei Tore, zwei seltsame Tore in einem Spiel, dass sich ganz anders anfühlte, viel überlegener als das Ergebnis. Sowieso fühlt sich heute alles ganz anders an, ein bisschen fremd ist dieses jugendliche Selbstbewusstsein, die Selbstverständlichkeit, und man kommt schon als Betrachter mit dem Tempo der Entwicklung kaum mehr mit.

»Sehr Junge machen den Jungen Druck, das ist gut für mich«, sagte Löw nach dem Spiel. Und auch wenn man ihm zugestehen darf, dass es ein großes mich ist, das er da meint, eben ihn selbst, die Nationalmannschaft, vielleicht den großen und ganzen deutschen Fußball, so bleibt doch ein fader Beigeschmack. Denn bei aller Freude über diese positive Entwicklung, diese schönen Spiele, dieser Ahnung von all dem, was da noch kommen mag und zunehmend möglich scheint, auch beim Wissen um die Natürlichkeit einer solchen Entwicklung, das Bessere ist des Guten Feind, so muss man sich doch auch klar darüber sein, dass es ein uraltes und eben auch sehr modernes Prinzip ist, das Leistungsprinzip im Sport als die Eigenkapitalrendite der Banken.

Für einen Moment denkt man an jene, die auf der Strecke blieben, bleiben, und bleiben werden, und möchte sie gleich wieder verdrängen, man ahnt ja, dass das so weiter gehen wird, Klose vielleicht, oder Podolski, selbst Schweinsteiger und Lahm wirken wie uralte Hasen, und wenn man zusieht, wie Kroos über Götze redet, nach dem Spiel, dann wirkt schon das, als läge eine Generationen zwischen den beiden, es sind zwei Jahre: Der eine ist 21, der andere 19, das rechte Maß für eine Generation ist ein anderes geworden.

Michael Ballack ist 35, und man könnte meinen, er sei lebender Zeitzeuge einer vollkommen anderen Welt. Als einen Spieler in dieser Nationalelf vermisse ich ihn nicht, aber für den Menschen ist die Entwicklung im Persönlichen und großen Ganzen tragisch, und ich tue mich schwer damit, in ihm und seinen Kollegen allein die Funktion zu sehen. Ich will Weltmeister werden, klar, aber ich glaube, das fiele mir leichter, wenn ich nicht allzu viel darüber nachdenke, dass das Leistungsprinzip einen Preis hat, den nicht ich zahlen muss. Oder vielleicht ja doch, denn wenn ich es als Prinzip akzeptiere, dann muss ich mich ihm auch beugen. Ganz weit, und nach vorn.

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»Fair Play ist keine Regel, sondern eine Haltung«
Interview: Urs Meier

Foto: Copyright © 2011 Urs Meier Management AG

Er war einer der besten Schiedsrichter der Welt, gemeinsam mit Johannes B. Kerner und Jürgen Klopp hat er für die Berichterstattung bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 einen Fernsehpreis gewonnen, heute ist Urs Meier Unternehmer und vermittelt in Buchform und durch Vorträge jene Konzepte und Prinzipien, die er als richtig erkannt hat. Ich habe ihm Fragen stellen dürfen.

 

freitagsspiel: Vor einigen Wochen sind Sie als Chef der Schweizer Schiedsrichter zurückgetreten. Ihrer Einschätzung, dass die Professionalisierung des Schiedsrichterwesens nicht in ausreichendem Maße und Umfang gewollt scheint, folgte die konsequente Entscheidung auf dem Fuße. Warum ist es so schwer, diese Entwicklung voranzutreiben?

Urs Meier: Weil das Bewusstsein für die Schiedsrichter in vielen Gremien fehlt und oft Personen in entscheidenden Position sitzen, welche noch nie den Druck unten auf dem Spielfeld gespürt haben, d.h. nicht wissen, was die heutigen Anforderungen an einen Unparteiischen sind und wie die Qualität gesteigert werden kann, resp. muss. Die Zeiten, als der Schiedsrichter ein Diener am Fussball war, sind vor allem im Spitzensport schon längst vorbei. Man sollte Schiedsrichter als gleichgestellte Sportler betrachten und behandeln. Nur mit guten Schiedsrichtern entwickelt sich der Fussball auch weiter.

 

An unsportliches Verhalten auf dem Platz hat man sich gewöhnt, es scheint vollkommen normal für Profifußballer. Die öffentliche Erwartung an Schiedsrichter, unbestechlich, ehrlich, fair und korrekt zu sein, scheint in diesem Umfeld beinahe anachronistisch. Wie geht man als Schiedsrichter mit einer solchen Erwartungshaltung emotional um?

Das ist seit jeher ein Teil des Spieles, d.h. die Mannschaften sind Partei, die Schiedsrichter die Unparteiischen. Damit die Schiedsrichter den Nimbus nicht verlieren müssen sie eben über diese Eigenschaften verfügen: unbestechlich, ehrlich, fair, neutral und sie müssen die Spezialisten für das Regelwerk sein, dann werden sie als gleichberechtigte Fachleute angesehen. Dazu kommen natürlich auch noch die menschlichen Qualitäten zu tragen wie Mut, Durchsetzungsvermögen, Menschenkenntnis, Menschen mögen, Kondition usw., welche dann eben einen guten Schiedsrichter zu einem sehr guten macht.

 

Zuschauer, Spieler und Medien einerseits, der Schiedsrichter andererseits und allein? Wie kann man sich auf eine solche Situation vorbeiten, gibt es Schulungen und Hilfen neben der fachlichen Seite, beispielsweise psychologischen Beistand? Anders gefragt: Muss man zum Schiedsrichter geboren und ein spezieller »Typ« sein, oder gibt es Techniken, die notwendige mentale und charakterliche Stärke zu erwerben?

Je höher man aufsteigt umso höher wird der Druck auf die Person. Nicht jeder geht mit Druck gleich um, der eine wird stärker, wenn er unter Druck gerät, der andere zerbricht daran. Hier kann natürlich ein Psychologe helfend eingreifen und unterstützen. Wir arbeiten in der Schweiz seit über 13 Jahren mit Psychologen zusammen und haben gute Ergebnisse damit erzielt.

 

Man spricht über Wettskandale, die Fifa gerät in die Schlagzeilen, Sepp Blatter sah man bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen eher schüchtern. Besteht die Gefahr, dass der Fußball es dem Radpsort gleich tut und sich als untherapierbar erweist?

Nein, überhaupt nicht. Natürlich sind hier alle Stellen gefordert. Man kann aber feststellen, dass in diesem Bereich grosse Anstrengungen seitens der FIFA und UEFA, aber auch der Verbände unternommen wurden.

 

Sie arbeiten als Vortragsredner, schreiben Bücher, Sie wollen die zu Grunde liegenden Konzepte und persönlichen Ansprüche Ihrer Zeit als Schiedsrichter auf den Alltag von Menschen und Unternehmen abbilden. Die Parallelen scheinen schlüssig, aber eher, was die negativen Aspekte von Sport, Gesellschaft und Wirtschaft betrifft. Sind Sie im Grunde Ihres Herzens Utopist?

Ich bin ein positiv denkender Realist, welcher den Sport nicht so schlecht sieht, sondern die Chancen und positiven Seiten. Ist doch der Sport immer das Spiegelbild der Gesellschaft und deshalb die ideale Plattform für Ausbildung und Analysen. Wer einen Vortrag von mir gehört hat weiss, dass dies so ist, er kann viele Parallelen erkennen und so Trends und/oder eigenem Fehlverhalten entgegenwirken. Es sind immer wieder dieselben Grundwerte, welche eben Erfolgreiche von weniger Erfolgreichen unterscheidet.

 

Wird man Sie bei der Europameisterschaft als TV-Experten wiedersehen?

Ja, der Vertrag mit dem ZDF wurde wieder verlängert und ich freue mich extrem auf die Herausforderung an der EURO 2012 in Polen und der Ukraine.

 

Letzte Frage: Wer wird deutscher Meister?

Den Titel würde ich natürlich meinem Freund Jürgen Klopp mit seinem BVB gönnen, sonst bin ich aber auch hier auf der neutralen Seite: may the best team win!

 

Vielen Dank, Herr Meier!

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18 mal 18

Achtzehn Blogger beobachteten achtzehn Spieler unter achtzehn, dieses Projekt ist auch im Rückblick noch faszinierend. Aus Mario Götze beispielsweise ist für alle Götzinho geworden, sein Marktwert liegt inzwischen gewiss über den damaligen 400.000 Euro:

Am Samstag, den 21.11.09, war es dann soweit. Mario Götze feierte sein Bundesligadebüt! […] Jürgen Klopp ließ Mario Götze 20:07 Uhr zu sich kommen, wies ihn kurz in seine Aufgaben ein und brachte ihn dann um 20:12 Uhr in der 88. Minute für Jakub Blaszczykowski.

Heute ist Götze Meister, morgen spielt er für die Nationalmannschaft gegen Brasilien und Bundestrainer Löw findet, er sei »genial am Ball«. So schnell kann das gehen.

Veröffentlicht von: Harald Müller | Unterhaltung: Kommentare deaktiviert | Kategorie: Link

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Meyersche Buchhaltung

Es wird einer ausgewechselt, der ist 8,3 Kilometer gelaufen. Faszinierend nicht die Strecke, sondern dass ich das überhaupt erfahre. Wie viel dieser Mensch gelaufen ist, wäre sonst eine Frage des Gefühls gewesen, zu Beginn dieser Aufzeichnungen dachte ich tatsächlich, es seien geschätzte Werte. Das ist natürlich Unsinn, so etwas wird professionell dokumentiert, die Daten werden quer durch alle Medien genutzt, die Berechnungen übernimmt ein Tracking-System, bedient von einem Tracking-Operator. Es ist sogar gerade eine Stelle frei, man müsste vor allem »Fußballspieler ohne Mühe von der Tribüne aus und im Fernsehen erkennen können.« Ist also nichts für mich.

Die Profile der Spieler werden zwangsläufig umfangreicher, Entwicklungen und Tendenzen messbar. Zusammen mit Scouting-Berichten, den sowieso verfügbaren Spielaufzeichnungen und all den eigenen Eindrücken muss die Datenmenge, die einem Trainer zur Verfügung steht, erdrückend sein, welche Massen an Rohdaten in diesen Prozessen entstehen, kann man sich nur ansatzweise vorstellen. Ich frage mich, ob man das lernt, neben Taktikundsoweiter, wie mit einer solchen Informationsmenge umzugehen ist, und ob es technische Hilfsmittel gibt, die nach einfachen Fragestellungen, ich suche einen guten Konterspieler, jene Teilmenge an Spielern ausspuckt, deren Rahmendaten einem solchen Suchprofil entsprechen, Endgeschwindigkeit, Ballbeherrschung, Abschlussquote, was auch immer. Die Fundamentaldaten für bestimmte Spielertypen zu bestimmen, damit eine solche Rasterfahndung überhaupt funktionieren kann, ist vermutlich längst eine Wissenschaft, und komplex. Ich erinnere mich an die ersten Versuche mit neuronalen Netzen in der Bilderkennung, da wurden Panzer in Fotografien gesucht und die Entwickler waren ganz stolz, dass das gut klappte, klappte aber gar nicht, denn das System hatte nicht Panzer erkannt, sondern die Jahreszeit, alle Bilder mit Panzern zeigten auch Schnee, ich weiß nicht mehr, ob diese Geschichte überhaupt stimmt, oder ob sie nur schön erinnert ist.

Eigentlich wollte ich auf die schwarzen Büchlein hinaus, oder die roten Kladden, weiße Zettel, was auch immer ein Trainer nutzen mag für seine Notizen, das Informationsheiligtum jedenfalls, da wo kein anderer hindarf. Als ich gestern über Dutt schrieb, stellte ich mir vor, dass ich als Trainer nicht nur Spieler, Konzepte und Strategien der Anderen analysieren, sondern eben auch versuchen würde, den Trainer des Gegners zu begreifen, in seinen Vorstellungen, seinen Konzepten, seinem akuten Sein. Wenn ich Profi wäre, was ich nicht bin, dann wäre es wichtig für mich, diesen Menschen zu entschlüsseln, und eben nicht nur seine Gestik am Rande des Feldes, die geheimen Botschaften für seine Spieler, endlich bekommen auch die seltsamen Hände dort oben ihre Berechtigung, sondern auch seine Mimik, und alles dahinter.

Ich würde gerne erfahren, was der eine Trainer über den anderen denkt, wie er ihn einschätzt, wo er seine Stärken und Schwächen vermutet. Gestern war Hans Meyer im BR und hat sehr liebevoll über den Kollegen Hecking gesprochen, da könnte ich endlos zuhören und will gleich mehr, am besten gleich alles, was er über die anderen Trainer denkt, und auch das, was er niemals sagen würde; ich würde gerne einen Blick in sein schwarzes Büchlein tun.

Ich weiß kaum noch, wo ich mit diesem Text begann, und nur ungefähr, wo er endet, ich habe mich ein wenig verlaufen. 8,3 Kilometer habe ich dafür nicht gebraucht.

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Dutt, nicht Hood
Mainz vs. Leverkusen (2:0)

Ich kann mich an kaum einen Trainer erinnern, der mit so viel Vorschusslorbeeren in eine Saison gegangen ist wie Robin Dutt, und der dann einen solch grandiosen Fehlstart hingelegt hätte, selbst Klinsmann ist in seine unglückliche Saison bei den Münchenern besser gestartet. Mit Dutt wird innerhalb von Tagen Konzepttrainer zu einem zweifelhaften Begriff, die Situation gewinnt an Dynamik und schon das kommende Heimspiel gegen Werder Bremen könnte aus einem Straucheln ein Stolpern machen, wie so oft stehen Erwartungen im Weg.

Als Beobachter gewinnt man zunehmend den Eindruck, dass die Chemie nicht stimmt zwischen Robin Dutt und Bayer 04 Leverkusen, jedes weitere Ereignis macht die Situation rätselhafter. Wie sehr ihn das mitnimmt, konnte man in seinem Interview nach dem verlorenen Spiel gegen Mainz sehen, es zeigte ihn in einer Mischung aus Aggression und Unruhe, die man beinahe schon für Panik halten konnte, Hilflosigkeit ist der Kern seiner Kommunikation in seiner ersten Zeit in Leverkusen, beinahe tragisch, dass er selbst es war, der den Druck erhöht hatte.

Die Ambition

»Ich bin nicht nach Leverkusen gekommen, um aus einem zweiten Platz einen vierten oder fünften Platz zu machen«, es war Dutt selbst, der sich mit einer drastischen Kampfansage angreifbar machte, die Gründe erschließen sich mir nicht. Sicher, man sollte Selbstbewusstsein zeigen, aber selbst Jürgen Klopp als frischgebackener Meister sieht sich eher als Herausforderer, und mangelndes Selbstbewusstsein kann man diesem Mann gewiss nicht unterstellen. Warum also legt sich Dutt fest auf eine solche Ambition, »vom zweiten Platz nach oben zu kommen«, ist das nur ungeschickte Kommunikation oder tatsächlich ein unerschüttliches Vertrauen in sich, den Verein und die Möglichkeiten? Vielleicht wollte er klar machen, dass ein Dutt nach Heynckes nicht Rückschritt sein kann, vielleicht war es auch mit einem zwinkernden Auge gemeint, sicher aber ist, dass ihm diese Sätze nachlaufen werden. Das könnte man wissen, das müsste auch Dutt wissen, als einer der modernsten Trainer Deutschlands. Wenn es also nicht Strategie ist, dann ist es ein erschreckend grober Fehler in der Kommunikation.

Michael Ballack

Michael Ballack kann einem leid tun, nach den schweren Dissonanzen mit Bundestrainer Löw scheint nun seine Ausbootung bei Leverkusen zu folgen. »Er kann sich kom­plett auf unsere Mann­schaft kon­zen­trie­ren« hatte Dutt versucht, die Situation zu relativieren, nun ist sie auch für ihn zum Problem geworden. Mit jeder weiteren Minute auf der Bank wird das Thema größer in Medien und Mannschaft. Ein Mann wie Ballack ist bedingt durch Charakter und Vita zwingend Führungsperson und elementarer Teil einer Mannschaft, wenn er das nicht sein kann – was aus den verschiedensten Gründen gut möglich ist –, dann muss man ihn freigeben. Wenn eine Installation im aktuellen Konzept und Mannschaftsgefüge nicht möglich ist, dann sollte man ihn verkaufen, ausleihen, in Urlaub schicken, was auch immer, die aktuelle Situation jedenfalls ist in diesem Punkt nicht Lösung, sondern Quelle weiterer Probleme. Ein Ballack auf der Bank, das tut niemandem gut; weder dem Spieler, noch Mannschaft, Trainer und Verein. Das hätte man schon vorher unter dem Eindruck der letzten Saison wissen können, aber jedes weitere Zögern scheint fahrlässig.

Die Mannschaft

»Die alleinige Schuld an ihm aufzuhängen, halte ich für ungerechtfertigt«, meinte Dutt über Ballack nach der dramatischen Pokalniederlage gegen Dynamo Dresden, und schon bei der Wortwahl assoziiert man Exekution. »Sechs Wochen Aufbauarbeit sind jetzt kaputt« und dann dieser extreme Spielverlauf, das sind Dinge, »die man nicht erklären kann«, bei aller Sehnsucht nach Authentizität in Leben und Fußball: Spätestens in diesen Kommentaren wird eine erstaunliche Distanz offensichtlich, es scheint, dass Dutt sich selbst eher als einen Leidtragenden sieht, nicht jedoch als Teil einer Gemeinschaft, ich weiß nicht, was ihr da tut, und wie das geschehen konnte, und so ist es kaum verwunderlich, dass Simon Rolfes Worte nach dem heutigen Spiel vor allem Bestätigung dieser Distanzierung sind, es sei klar, dass es ein wenig dauere, bis das Konzept eines Trainers verstanden und umgesetzt werden könne. Das kann man als einen Konter verstehen, aber einen Sieg wird in diesem Spiel niemand davontragen können, weder Mannschaft noch Trainer.

All das ist nicht gut, und es macht deutlich, dass Leverkusen und Dutt sich in einer Situation des Mangels befinden: Es fehlt an Klarheit in der Kommunikation. Es fehlt an Entschlossenheit in der Personalpolitik. Es fehlt an Solidarität.

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skydiving

Bremen und Kaiserslautern, Hannover und Hoffenheim, Stuttgart, Schalke, Köln, Wolfsburgaugsburgfreiburg und mittendrin ich. Heute war meine erste Konferenzschaltung, sky, sofort im Höhenrausch.

Wie unglaublich viel diese Kommentatoren reden, kein Punkt und kein Komma und Tor in Stuttgart! Ich frage mich, ob die nur in der Konferenzschaltung so viel reden, und ob es auf den Kanälen mit den einzelnen Spielen ruhiger zugeht, weiß nicht, ich habe vergessen, umzuschalten. Zwischendurch Einblendungen, Don’t call it Schnitzel, und die Schrift bläht sich auf, als würde der Rülpser gleich mitgeliefert, zack, Halbzeit. Ich glaube, das überfordert mich noch in bisschen, da liegt dieser Ball in seltsamen Farben und auf ihm mit Edding notiert »FC SP.4«, vermutlich bedeutet das Spielball 4. Ich frage mich, wer das drauf malt, aber es gibt Wichtigeres zu sehen, schnell weg mit Spielball 4 und die Ecke direkt verwandeln, wie damals Basler, das Tor von Schäfer bringt all die Baslertore mit, meine Gedanken kommen nicht hinterher bei all diesen Bildern, rasant auch in langsamen Spielen. Ich habe noch nicht gelernt, mich mittreiben zu lassen. Seltsam, das rote Kästchen mit dem Spielstand wird immer zuerst gezeigt, es erscheint einen Sekundenbruchteil vor den Vereinsnamen, weiße Schrift in rotem Kästchen und auffallend schneller, so dass ich hinschauen muss, im ersten Moment dachte ich, schau, neue Nachricht bei Goggle+.

Das war spannend, heute, und langsam begreife ich, dass man durch die versetzten Spielzeiten ein Wochenende mit Fußball und vor dem Fernseher verbringen kann, morgen geht es weiter. Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast.

Veröffentlicht von: Harald Müller | Unterhaltung: Kommentare deaktiviert | Kategorie: Kurz

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