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Kicker Deluxe

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  • 11 | The Beautiful Game

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  • Jared Arp

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Es ist lange her, dass ich das letzte Mal Tischkicker gespielt habe, mein Sohn musste auf einen Stuhl klettern, um auf das Spielfeld sehen zu können. Er hatte kaum Spaß, weil er die Griffe nicht richtig erreichte, und ich musste meine Spieler vorsichtig bewegen, damit ihn nicht eine der Spielstangen von seinem Stuhl schubste. Ein paar Minuten ging das gut, dann verließ ihn die Lust. Ich musste lächeln über das Erwachen der alten Automatismen in mir, das Drehen und die seitlichen Vorlagen, das Umspielen über Bande, besonders gut spielte ich nie, aber es hat immer Spaß gemacht.

Es war ein uralter Tisch wie ich es mag, ausreichend robust gebaut sind für zehntausende Spiele. Ich würde gerne darauf warten, dass irgendwo einer ausgemustert wird, auf dass ich ihn retten könnte, und meine Erinnerung. Aber leisten kann ich mir weder solch einen alten Tisch, noch einen neuen, und schon gar nicht einen von jenen, die ich bei meiner Suche gefunden habe. Das nämlich sind Luxustische:

Der Opus zum Beispiel ist handgemacht und aus besten Materialien, das Aussehen der Figuren kann man selbst bestimmen – wer mag, kann sogar beliebige Gesichter über eine spezielle Technik als Vorlage für die Figuren bestimmen. Oder man spielt gleich Gut gegen Böse, Gandhi gegen Hitler, über 400 Mannstunden Arbeit stecken in einem solchen Tisch. Ganz anders der High-Tec-Tisch 11 | THE BEAUTIFUL GAME, sein Verkauf startet bei knapp 50.000 Euro. Dafür bekommt man dann aber auch ein echtes Heimstadion – beleuchtet, mit automatischer Torzählung und anderen Extras, das Video ist sehenswert. Größtenteils transparent ist die Serie von Teckell, am besten gefällt mir das Modell Krystel White, viel reduzierter ist im Vergleich der AL_Kicker von Bene, dieses Modell ist für das Büro gemacht. Ein kompletter Gegenentwurf im Retro-Stil ist der Foosball Table von Jared Arp. Ob der mich nun mehr an einen bulligen Straßenkreuzer erinnert, oder an ein Schiff, das kann ich kaum sagen, vielleicht auch an einen uralten Panzer.

Am liebsten von all jenen, die dort oben zu sehen sind, mag ich jedoch Panna, ein Einzelstück aus Beton. Vier Spieler nur, zwei gegen zwei – ein Konzept, das vom Straßenfußball übernommen wurde und diesem auch gewidmet ist. Die Besonderheit: Man kann dem Gegner den Ball auch durch die Beine spielen. Ursprünglich ist der Tisch für eine Nike-Aktion entwickelt und gebaut worden, später wurde er bei einem Unfall beschädigt. Aber ganz gleich, ob er nun perfekt oder defekt, bezahlbar ist er auf keinen Fall.

Sein Foto behalte ich dennoch, man kann ja nie wissen: Beton kostet nicht die Welt.

Veröffentlicht von: Harald Müller | Unterhaltung: Kommentare deaktiviert | Kategorie: Text

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Nachtschicht

Es ist spät in der Nacht vor einem Montag, ich sollte schlafen, aber die Anstrengungen der letzten Woche und ihres Endes bewegen mich noch. Die erarbeitete Ruhe bleibt unruhig. In den nächsten Tagen wird das besser, ganz sicher, aber momentan ist alles flüchtig, mein Kopf hat nur begrenzte Kapazität. Mir ist bewusst, dass das nicht stimmt, denn spätestens seit Rain Man weiß auch ich, dass alles gespeichert wird und diese erschöpfte Leere in Wahrheit ein Mechanismus ist, und einer mehr oder minder bewussten Ausblendung geschuldet: Mein Kopf sorgt dafür, dass ich nur das vorhalte, was ich in genau diesem Moment auch brauche, oder verkrafte.

Manchmal ist mir danach, zu erforschen, nach welchen Kriterien diese Entscheidungen über das Bewusstsein einer Erinnerung getroffen werden, dieser Algorithmus interessiert mich, und die ihm zugrunde liegende Konstellation meines Seins. Dass ich den Sohn und sein Bild in der Erinnerung behalte, vorhin auf der Wiese ohne Nebel und bis in die Dunkelheit hinein, wie er sich wälzte, weil sein Schienbein schmerzte, ich hatte versucht ihm den Übersteiger nahe zu bringen, und für einen absoluten Anfänger wie ihn ist das eben schmerzhaft, seine Grätsche in mein Bein macht mir nichts, aber ihm; sein schmerzverzerrtes Gesicht also halte ich vor und sein Wehklagen, das verstehe ich, und ich verstehe es gut.

Warum aber sind diese anderen Bilder von Belang, was sollte ich anfangen mit dem blutenden Huntelaar, dem blutenden Subotic, dem Ballack mit seiner schwarzen Gesichtsmaske, die Bundesliga auf ihrem Weg zur Liga der außergewöhnlichen Gentlemen prägt sich mir ein, und ich weiß nicht warum. Ich frage mich, ob es jene Superheldenmasken von der Stange gibt, oder ob das alles Sonderanfertigungen sind, vielleicht Kevlar, und mitten in der Nacht gehe ich googeln, anstatt zu schlafen. Es war viel Blut auf den Sportplätzen der letzten Tage, und ich weiß gerade nicht, ob das tatsächlich außergewöhnlich war, oder ob es die Prozessbevollmächtigten meiner Erinnerung sind, die es mir mit ihrer Gewichtung nun nahelegen. Und warum sie das tun, wenn es so wäre.

Warum ist Johannes B. Kerner von Belang, in dieser Gesprächsrunde nach allen Spielen, wie er gemeinsam mit Heribert Bruchhagen und Jens Lehmann beisammen saß. Der Lehmann war ja viel interessanter, so vernünftig mit einem Mal, und mit einem Mal beinahe ganz ohne Überheblichkeit, und statt dessen auf dem Wege zu einem wirklichen Fachmann, einem, der sich nicht nur selbst proklamiert, sonder es wahrhaftig auch ist, angenehm ruhig und vernünftig und viel interessanter. Aber ich erinnere Kerner, statt seiner. Und wie er, dieser Kerner, seine Arme vor dem Körper verschränkt, immer wieder, und wie er auf die gewohnt lächelnde Weise in den gewohnt lächelnden Worten selbstverständliche Dinge sagt, und doch so ungewohnt unsicher wirkt, und woran es wohl liegen mag, dass er so unsicher ist, oder wirkt. Vielleicht ist das fehlende Publikum die Ursache, vielleicht fehlt so eine ganz wesentliche Grundlage für die Funktionalität seines öffentlichen Seins, keine Ahnung, und etwas zugelegt hat er auch, der Kerner, und immer wenn er wieder die Arme vor seinem Körper verschränkt, denke ich das, hmm, etwas zugelegt hat er auch. Vielleicht ist dieser Eindruck auch nur dem Ungewohnten in seiner lächelnden Verunsicherung zuzuschreiben, oder einem schlechter Schneider, ich weiß es nicht.

Wer auch immer das Sagen hat über meine Erinnerungen des Tages, es muss ein Seltsamer sein.

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Wendepunkt
Hamburger SV vs. 1. FC Kaiserslautern (1:1)

Noch konnte Thorsten Fink mit dem HSV kein Spiel gewinnen, auch die Begegnung mit Kaiserslautern endete unentschieden – und doch ist er der Gewinner des Spiels. Dem Trainer wird egal sein, dass seine Mannschaft nicht wirklich gut war, und es wird ihn kaum interessieren, dass der Gegner viele Chancen hatte, die Partie noch für sich zu entscheiden. Denn an diesem Abend ist etwas geschehen, das vielleicht einmal als ein Schlüsselmoment angesehen werden wird; nicht nur für einen Abend, sondern für eine ganze Saison: Slobodan Rajković läuft dem Kaiserslauterner Christian Tiffert in den Weg, trifft ihn mit gehobenem Arm im Gesicht, es gibt Blut, eine Platzwunde und mehrere Stiche am Spielfeldrand, der Hamburger Abwehrspieler wird des Feldes verwiesen. Einen Platz im Herzen seines Trainers hingegen hat er sicher, denn für Fink ist diese rote Karte ein Geschenk: Mit ihr hat seine Mannschaft das zurückerhalten, was kein Trainer der Welt einer Mannschaft geben kann, von einem Moment auf den anderen ist das Wollen wieder da. Im Anschluss an diese Szene spielte die Mannschaft wie ausgewechselt.

Am klarsten zu erkennen war diese Veränderung bei Marcell Jansen. Der hatte vor Zeiten einmal in der Nationalmannschaft gespielt, man erinnert es kaum, und am gestrigen Abend zeigte er, dass er die dazu notwendige Qualität tatsächlich besitzt – der Mann spielte gut, und er spielte mit einem Selbstbewusstsein, dass man in dieser authentischen Form sehr lange bei ihm vermisst hatte. Er wollte, die ganze Mannschaft wollte, und das war kein theoretisches Wollen, also weder geboren aus dem intellektuellen Wissen um die richtige Haltung, noch Resultat der Realisierung von Notwendigkeiten einer Situation; es war kein gewolltes Wollen, sondern real und ursprünglich. So etwas kann man nicht verordnen, es geschieht, wie es an diesem Abend in Hamburg geschehen ist – Mannschaft, Trainer und Fans, sie alle haben sich in einem Gefühl des unbedingten Wollens gefunden – und vielleicht endlich wiedergefunden.

Sportdirektor Arnesen war später der Meinung, dass die rote Karte unberechtigt gewesen sei, sein Abwehrspieler habe schließlich »nur den Arm gehoben«, und auch das Handspiel vor dem ungegebenen Tor von Paolo Guerrero habe man nicht pfeifen müssen, sowieso sei das eine Begegnung voller Fehlentscheidungen gewesen und die Unparteiischen im Grunde dem gegnerischen Team zuzuordnen. Arnesen regte sich auf, aber er tat es ohne guten Grund und vielleicht nur, weil er den wahren Kern des Abends noch nicht erkannt hatte: All das ist egal, es spielt für die weitere Entwicklung der nächsten Wochen keine Rolle. Der Wandel in der emotionalen Konstitution der Mannschaft hingegen schon: Hamburg scheint neu vereint.

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Soccer Dad

Foto: Copy­right © 2011 by ∙tlc∙sports∙images∙

Tom freut sich sehr über die Ernennung von Jürgen Klinsmann als Cheftrainer, und er hofft darauf, dass der Deutsche Altstar der Nationalmannschaft der USA wieder auf die Beine hilft. Tom lebt in Kansas und er ist Fußballvater, sein Sohn Evan spielt bei den Rush Nike. Evan ist Stürmer, wie Klinsmann. Fußball und Fotografie sind Hobby und Leidenschaft, sagt Tom, und das ist ein großes Glück: Dort oben ist eines der Bilder, die er von der Mannschaft seines Sohnes gemacht hat, es gibt eine ganze Reihe davon, und es sind die besten Fotos Fußball spielender Kinder, die ich jemals gesehen habe.

Normalerweise kennt man sie anders, solche Bilder, weil sie mit schlechten Kameras gemacht wurden oder halbem Herzen, oder weil niemand sich die Mühe gab, einmal genauer hinzuschauen, über das Panorama und alle Altersgrenzen hinweg: Die Wimmelbilder eines noch unausgereiften Spiels, das Kleinliche ist man gewohnt. Dabei ist das ja Unsinn, denn ob nun Klinsmann oder Kind – der Einsatz ist identisch, das ist ja alles vollkommen gleich: diese Hitze, die Kraft und das unbedingte Wollen, diese Anstrengung bis an die Grenzen. Das hat mit Niedlichkeiten rein gar nichts zu tun, es ist eine ernsthafte Angelegenheit, bei allem Spaß. Tom weiß das, er sieht es, und er hat das nötige Können, die wirklichen Bilder von all dem zu machen. Das ist sehr schön.

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Occupy Football

Die Demonstrationen beherrschen Nachrichten und Netz, mit Occupy Wall Street hat sich der gesunde Menschenverstand in Bewegung gesetzt, er umschließt das Herz der modernen Finanzsysteme und macht das Atmen eng, ein Nachlassen der Dynamik ist nicht abzusehen.

Man möchte glauben, dass niemand bei klarem Verstand die Auswüchse der Systeme legitimieren könnte, und man fragt sich unweigerlich, wie Menschen sozialisiert sein müssen, für die ein Leben als handelnde Figur der Finanzwelt schlüssige Normalität ist. Für Schwäche ist kein Platz in diesem System, wie also muss man gebaut sein, um darin zu bestehen? Was macht jene aus, die mitmachen, wie denken Gewinner?

Jeder von uns muss permanent Stärke ausstrahlen. Sobald sich daran etwas ändert, wird an deiner Position gegraben, du sinkst in der Hierarchie, deine Stellung ist gefährdet. Gerade, weil du deine Kollegen Tag für Tag siehst, weil du täglich unter scharfer Beobachtung stehst, erkennen sie sofort, wenn du einmal nicht so präsent bist wie sonst. Passiert das einmal, okay. Wiederholen sich deine Schwächen jedoch, wittern deine Konkurrenten sofort ihre eigene Chance und versuchen, deine Schwäche auszunutzen, um selbst in Erscheinung zu treten, dich zu verdrängen

Das war jetzt nicht ganz fair, gebe ich zu, denn es ist kein Investmentbanker, von dem diese Worte stammen, sondern der Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft. Philipp Lahm hat ein Buch geschrieben, das durchgängig unterschätzt wird. Denn skandalös sind weder die alten Geschichten, die er aus den Kabinen seiner Erinnerung erzählt, noch das Nachtreten gegenüber Trainern seiner Vergangenheit oder das Hofieren jener der Zukunft, wirklich ernst zu nehmen ist das Buch wegen des klaren Blicks auf eine in Fußball und Gesellschaft notwendige Haltung, auf das Rüstzeug, um erfolgreich im System zu sein.

Lahm redet davon, dass Softies im Fußball keinen Erfolg haben, und dass man seine Probleme außerhalb der Vereine lösen müsse, im Privaten. Er spricht von Einfühlungsvermögen und sozialer Intelligenz, aber eben in einem strategischen Kontext, man müsse »seine Mitspieler einschätzen können, ihre Charaktere lesen, um sich selbst positionieren zu können.« Das klingt bitter, vor allem im Hinblick auf das Wissen um den Erfolg einer solchen Haltung, immerhin ist der Mann so an die Spitze gekommen, in Verein und Nationalmannschaft. Aber Lahm hat all das nicht erfunden, er ist nicht Ursache für diese Zustände, sondern er hat schlicht die notwendige intellektuelle, emotionale und strategische Ausstattung, in ihnen perfekt zu bestehen. Das kann man schade finden, vorzuwerfen ist es ihm nicht. Im Gegenteil – es ist erstaunlich, mit welcher Offenheit er darüber redet:

Diese Fähigkeiten sind für den Fußballprofi essentiell. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass er im Milieu des modernen Spitzensports nicht unter die Räder kommt, sondern gesund bleibt und auf höchstem Niveau spielen kann.

Das erklärt vieles. Leider.

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Back in the USSR

Cececececepe … wie oft der dritte Buchstaben des Alphabets tatsächlich genannt werden musste, konnte ich mir als Kind nicht merken, so überließ ich es meinem Gefühl. Irgendwann kam ein »P«, zumindest da war ich sicher. Die Abkürzung »CCCP« auf den Trikots hat mich regelmäßig durcheinandergebracht, ich verstand das nicht, wo genau lag noch mal der Unterschied zu »CSSR«? Jede Erklärung lief ins Leere, all diese Namen so anders und die Kürzel so gleich, nichts davon hatte eine innere Logik für mich. Damals, in der Fundesrepublikgeutschland.

Diese alte Verwirrung kam mir in den Sinn, als ich das »Digital documentaries and newsreel archive« entdeckte, eine Seite für Filmschaffende in der sich historische Berichte finden, Filme and Nachrichten des Russian Central Studio of Documentary Films, dem ältesten Dokumentarfilmstudios Russlands. Es macht Spaß, dort ein bisschen herumzustöbern, in allen Bereichen, die Kiste mit dem Fußball sei hier kurz geöffnet: Dieser neuere Film von Dvoynikov beispielsweise*, gedreht auf 35mm und ganze 09:49 Minuten lang, gewidmet dem three-times champion of the USSR, the best footballer of the USSR of 1983, 1989 – Fyodor Cherenkov.

*) Seite öffnen, unter dem Filmplatzhalter steht »Choose a part of the film to play«, darunter ein »Part:1«, wenn man darauf klickt, geht es los.

Veröffentlicht von: Harald Müller | Unterhaltung: Kommentare deaktiviert | Kategorie: Link

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Simpson’s Eleven
Türkei vs. Deutschland (1:3)

Im Grunde meines Herzens bin ich Gomez, ein Gomez zweiter Hand. Ich kann nicht so gut Fußball spielen wie er, es fehlen mir Größe, Sixpack und Frisur, aber die Attitüde, mit der er sein erstes Tor ignorierte, in der erkenne ich mich wieder: Das neunte Spiel in der Qualifikation zur Europameisterschaft und klar, der neunte Sieg. Selbstverständlich.

Selbstverständlich, dass der Neuer so unglaublich gut ist, wie er in der fünften Minute diesen unhaltbar wirkenden Ball mit der linken Hand noch erreichte, auf den Knien und mit dem Reflex eines Flipperautomaten, pling, nicht den Millimeter einer Bewegung zu wenig und keinen zu viel, alles genau richtig so, selbstverständlich auch, wie er die Bälle aus der Luft holt und abwirft, über das halbe Feld und in den Fuß, oder abschlägt, über das halbe Feld und in den Fuß, das halbe Feld gehört Neuer und der Luftraum darüber, er ist perfekt auf der Linie, ganz egal ob es jene des Tores, des Seitenauses oder des Sechzehners ist.

Man hat sich an die technischen Möglichkeiten dieser Mannschaft gewöhnt, an die Schnelligkeit ihres Spiels und ihre Souveränität, deren wahres Ausmaß erst in wackeligen Momenten richtig spürbar wird, wenn man ein bisschen lächelt über das Wackeln und sich dieses Lächeln in dem sicheren Wissen erlaubt, dass alles ja substanziell anders ist, und um so vieles besser.

Man hat sich an den Fußball von so einem wie Müller gewöhnt, der keine Zeit mit überflüssigem Nachdenken verschenkt, wie man es bei so einem wie Schweinsteiger immer mal wieder erleben kann, dieser Müller spielt, er folgt seinen Impulsen, der Schweinsteiger spielt, er folgt seinem Willen, all das ist gut so und richtig und es passt zusammen, ganz gleich, wer da spielt. Ob nun Özil oder Götze, Badstuber neben wem auch immer: In technischer, taktischer und qualitativer Hinsicht kann man über alles und jeden debattieren, aber die Grundidee dieser Mannschaft bleibt konstant, sie ist unabhängig von der Aufstellung, es ist die Idee Jogi Löws, der das Wesen der Mannschaft geformt hat: sie strotzt vor Selbstbewusstsein.

Der neunte Sieg war der fünfzigste für Bundestrainer Löw, drei Treffer gegen die Türkei, das alles ist toll, und es ist ein bisschen langweilig. Klar, man genießt das, irgendwie, aber irgendwie auch bleibt der Genuss theoretisch. Zumindest bei mir ist das so, und bei Gomez: Grandioser Abwurf von Neuer, grandioser Pass von Müller, grandioser Schuss von Gomez, eins zu null – der Mann wendet sich ab und schaut ein bisschen in die Runde, er ballt die Faust, hmm, gut so, und ich auch, hmm, gut so.

Vielleicht müssen wir langsam aufpassen, dass die Selbstverständlichkeit nicht den verbleibenden Raum ausfüllt, Erfolg korrumpiert. Es würde helfen, mal wieder richtig eins auf die Mütze zu bekommen, dann hätten wir es hinter uns, der Gomez und ich, und das Gespür könnte sich erneuern dafür, dass Verlust nicht nur eine theoretische Größe ist. Am besten rechtzeitig, bevor es tatsächlich etwas zu verlieren gibt.

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