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Lesereise
Aktion Libero

Es waren auf­re­gende Tage, nun bin ich end­lich dazu gekom­men, einige der vie­len indi­vi­du­elle Texte zur Aktion Libero zu lesen. Meine ers­ten, per­sön­li­chen Favo­ri­ten unter­schei­den sich sehr in Form und Inhalt:

Wer @heinzkamke kennt, weiß um seine behut­same und respekt­volle Art, umso über­rasch­ter war ich über die kla­ren Worte, die er für seine Moti­va­tion fand, »Ist das alles?« fragt er, und er fin­det gute Ant­wor­ten. Der rup­pige Herr Kamke gefällt mir.
ange­dacht: »Ist das alles?«

Der @Chemieblogger über­schreibt sei­nen Text mit »Nach­den­ken«, und auch ich werde das noch gründ­li­cher tun müs­sen: Iden­ti­fi­ka­tion bedeu­tet Exklu­sion, Ver­weise auf die Ver­drän­gungs­me­cha­nik des eige­nen Ras­sis­mus, schwere Kost, aber das Thema muss ja auch nicht zwin­gend zum Nach­tisch gereicht wer­den.
Che­mieb­log­ger: »Nach­den­ken«

Beson­ders @_catenaccio hat mich über­rascht, mit einem sehr per­sön­li­chen Text, der von Prä­gung und Ent­wick­lun­gen erzählt, von der Chance zu wach­sen und seine Sicht­wei­sen zu ver­än­dern, zu ler­nen. Der Text gibt ein Gefühl von der Hoff­nung, die zumin­dest ich auch mit der Aktion Libero ver­binde, dass eben aus einer eher for­ma­len Auf­merk­sam­keit eine sub­stan­ti­elle Acht­sam­keit erwächst. Das ist leben­dig.
cate­n­ac­cio: »Aktion Libero«

Auch wenn ich nur sel­ten im Sta­dion bin, der Text vom @spielbeobachter ist mir nah: »Been­den wir die Angst« erzählt von der Ver­wand­lung des Ichs zum Teil des viel­köp­fi­gen Tiers. Beein­dru­ckend klar in der Erkennt­nis, dass auch wir selbst Ver­ant­wor­tung tra­gen.
spiel­be­ob­ach­ter: »Been­den wir die Angst.«

Der Bei­trag von Frau @Jeky spannt einen sehr wei­ten Bogen von rei­nen Fak­ten in schlüs­si­gem Zusam­men­hang, über den eige­nen Ver­ein FC St. Pauli bis hin zu einem Fazit, das mir beson­ders gefällt: Dass es nach allen Gedan­ken, Inter­pre­ta­tio­nen und Ver­wei­sen am Ende: um Liebe geht.
Fabu­lous Sankt Pauli: »Aktion Libero«

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Aktion Libero

Aktion Libero | Sportblogs gegen Homophobie im Fußball

Ein Spiel dau­ert neun­zig Minu­ten. Zumin­dest im bes­ten Fall, für schwule Pro­fi­fuß­bal­ler dau­ert das Ver­steck­spiel ein Leben lang: Kei­ner wagt es, seine Homo­se­xua­li­tät offen zu leben. So schön Fuß­ball auch ist – Res­sen­ti­ments hal­ten sich in sei­nem Umfeld hart­nä­ckig.

Ein uner­träg­li­cher Zustand! Ob jemand schwul  ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spie­len. Wir alle soll­ten ein biss­chen bes­ser auf­pas­sen – auf unsere Worte, unser Den­ken, unsere Taten: Die Frei­heit jedes Ein­zel­nen ist immer auch die eigene Frei­heit.

Wir schrei­ben in unse­ren Blogs über Sport, und unsere Hal­tung ist ein­deu­tig: Wir sind gegen Homo­pho­bie. Auch im Fuß­ball.

 
Aktion Libero | Sportblogs gegen Homophobie im Fußball

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Ich ist etwas Anderes
Aktion Libero

Als ich ein Kind war, habe ich die Geburts­tage der Gro­ßen genos­sen. Auf dem lan­gen Tape­zier­tisch im Wohn­zim­mer waren weiße Decken aus­ge­brei­tet, dar­auf Glas­schüs­seln mit Nudel­sa­la­ten, Kar­tof­fel­sa­la­ten, Toma­ten­sa­la­ten, Salate und Eier und Fri­ka­del­len, heiße Würst­chen, es wurde süßer Wein getrun­ken und star­kes Alt­bier, der Raum war ver­ne­belt, damals rauchte man noch. Für mich war es eine fremde Welt, in der sich die Erwach­se­nen mit fort­schrei­ten­der Stunde ganz anders benah­men. Sie rede­ten durch­ein­an­der und lach­ten zuneh­mend lau­ter, die Män­ner in schwar­zen Hosen und wei­ßen Hem­den, die Frauen mit hohen Fri­su­ren, aus Eltern wur­den Men­schen. Wir Kin­der leb­ten der­weil in unse­rer eige­nen Welt, wir durf­ten auf­blei­ben über alle Gren­zen hin­weg. Spä­ter gin­gen wird regel­mä­ßig in den Gar­ten um zu über­prü­fen, ob der Wolf sich zei­gen würde, wir ver­mu­te­ten ihn hin­ter dem Baum, oder dem Busch, und wir ver­such­ten uns in sei­nem Geheul, um ihn anzu­lo­cken. Auch den Zustand der Gro­ßen kon­trol­lier­ten wir wie­der­holt; es ging ihnen gut, und uns.

Eine sol­che ent­spannte Par­al­le­li­tät unter­schied­li­cher Seins­zu­stände habe ich spä­ter nur noch sel­ten erlebt. Ich habe in Bezie­hun­gen gesteckt, die mich in Kom­pro­mis­sen weni­ger wer­den lie­ßen; ich bin Freun­den begeg­net, deren fremde Regeln ich erfüllte. Ich habe Berufe aus­ge­übt, in denen sich Men­schen auf eine sur­reale Weise begeg­ne­ten und habe in Bespre­chun­gen mit Men­schen geses­sen, deren Seele Kra­watte trug. Ich habe gelernt, für Teile mei­nes Lebens ein Cha­mä­leon zu sein. Das Ver­ler­nen die­ser Mecha­nis­men dau­ert lange, wie ich heute weiß.

In einem Leben zu ste­cken, das nicht das eigene ist, als ein Mensch, der man nicht sein will: das funk­tio­niert. Aber es führt zum schlei­chen­den Selbst­ver­lust. Wer jemals auch nur eine Stunde mit Men­schen ver­bracht hat, zu denen er nicht passt, für die er aber aus wel­chen Grün­den auch immer gut sein muss, indem er ein Ande­rer ist, der kann ermes­sen, wie es sein mag, das einen gan­zen Tag lang tun zu müs­sen, eine Woche, oder ein Leben lang. Gemein­sam mit Ande­ren zu leben als jemand, der man nicht ist; unter Ande­ren zu sein und gleich­zei­tig auf ele­men­tare Weise alleine zu blei­ben: Eine grö­ßere Ein­sam­keit kann ich mir kaum vor­stel­len. Das fällt mir ein, wenn ich an schwule Pro­fi­fuß­bal­ler denke.

Seit ich mir ein sol­ches Leben für einen ein­zi­gen Moment vor­ge­stellt habe und erkenne, wel­che Fol­gen das zwang­hafte Klima des Fuß­balls für einen Men­schen auch im Jahre 2011 haben kann, weiß ich, dass sich das ändern muss.

Die Aktion Libero ist mir wich­tig.

Illus­tra­tion Copy­right © 2011 Max | Als ich mei­nen Sohn (10) um eine Zeich­nung bat und ihm kurz erklärte, wovon der Text han­delt, da sagte er sofort: »Klar, ich weiß auch schon was ich mache: ein zwei­ge­teil­tes Gesicht.« Sowieso hatte er auf dem Heim­weg neu­lich schnell begrif­fen, worum es bei der Aktion Libero geht, ich brauchte nicht lange zu reden und keine guten Argu­mente. Er regte sich auf, das sei ja unmög­lich, man solle sich nur mal vor­stel­len, wie sich das anfüh­len möge, wenn man bei­spiels­weise Manuel Neuer wäre und den Mario Gomez ganz toll fände, weil der solch kräf­tige Beine habe, und man das total für sich behal­ten müsse: Das sei ja unnö­tig und doof … Man muss Kin­dern viel­leicht vie­les erklä­ren, mag sein. Aber sicher nicht die Welt.

Der Titel die­ses Arti­kels bezieht sich auf eine Aus­stel­lung der Kunst­samm­lung Nordrhein-Westfalen im Jahre 2000, »Ich ist etwas Ande­res | Kunst am Ende des 20. Jahr­hun­derts«.

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WordPress-Plugin
Aktion Libero

Das Plu­gin für die Aktion Libero fin­det man direkt bei Word­Press. Falls es über die Instal­la­ti­ons­funk­tion eines WordPress-Weblogs gesucht wird, sollte der Begriff »Libero« zum gewünsch­ten Ergeb­nis füh­ren.

Sobald das Plu­gin instal­liert und akti­viert ist, kann man das Wid­get in die Sei­ten­leiste des Web­logs zie­hen. Wer möchte, kann optio­nal ein­stel­len, wel­che Über­schrift über den Nach­rich­ten ste­hen soll, wie viele Nach­rich­ten ange­zeigt und auf wel­che Länge sie gekürzt wer­den.

Von nun an soll­ten* Logo und neu­este Arti­kel der Aktions-Homepage in der Sei­ten­leiste des Web­logs ange­zeigt wer­den.

*) Ich bin nicht geübt in der Ent­wick­lung von Wid­gets, das ist mehr zusam­men­ge­bas­telt: Die Bereit­stel­lung erfolgt ohne Gewähr. Falls also etwas nicht klap­pen sollte, bitte ich um Nach­sicht und Mit­tei­lung …

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Länderspielpause
Ukraine vs. Deutschland (3:3)

Ach ja, da war die­ses selt­same Län­der­spiel. Es ent­spricht mei­nen letz­ten Wochen, denn obwohl ich zuge­se­hen hatte, kam mir das Spiel eher wie eine traum­hafte Erin­ne­rung vor, so selt­sam zer­rupft, und ob es nun ein 3−5−2 war, oder doch ein 3−4−2−1, das ist im Grunde egal, über­for­dert hat es die Spie­ler, und mich. Ich ärgerte mich über die Arro­ganz, drei Mann in der Abwehr, mehr brau­chen wir nicht, dabei war es sicher­lich keine Arro­ganz, son­dern eher eine Erin­ne­rung an frühe eigene Fuß­ball­zei­ten, als alle dort vorne her­um­turn­ten und nur ich ein Opfer mei­nes Pflicht­be­wusst­seins war, man kann doch nicht nur nach vorne ren­nen ganz ohne Ver­tei­di­gung, ich war eine ein­same Drei­er­kette in Per­so­nal­union – man könnte sagen, ein Libero.

Ich schaute zu und ich rang mit den Bil­der aus D-Jugend-Zeiten, der Hum­mels tat mir leid und der Aogo, und auch Ron-Robert Zie­ler, und sie alle aus den unter­schied­lichs­ten Grün­den. Ich muss immer an Rob Roy den­ken, nicht wegen der Haare, es ist eher der Spaß an dem Zwei­klang, ich muss inner­lich lächeln und weiß nicht warum. Ron-Robert hat sich befreien kön­nen aus die­sem lange unglück­li­chen Spiel für ihn, und befreit auch aus dem Wann-zuletzt-Gerede des Kom­men­tars: Irgend­wann kam er mit den Fin­ger­spit­zen dran: Manch­mal reicht ja die kleinste Berüh­rung, um dem Ball eine neue Rich­tung zu geben, und der Welt.

Eigent­lich taten sie mir alle ein biss­chen leid in die­ser Hilf­lo­sig­keit des neuen Sys­tems, diese Begriffs­stut­zig­keit war bei­nahe kör­per­lich zu spü­ren, die Ver­wir­rung. Dabei bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob das tat­säch­lich so war, denn es kann sehr gut auch sein, dass es vor allem meine eigene Begriffs­stut­zig­keit war, und meine Ver­wir­rung, aber es ist auch egal, denn die Gründe haben ihre Rele­vanz sowieso längst ver­lo­ren, und zu einer ver­nünf­ti­gen Ana­lyse bin ich heute kaum fähig – ich bin mit den Gedan­ken woan­ders.

Denn auch ich habe mich in den letz­ten Wochen in einem Sys­tem bewegt, das mir unbe­kannt war, das ich weder gelernt habe, noch beherr­sche: Vor län­ge­rer Zeit hatte ich eine Idee, und aus einem ers­ten for­mu­lier­ten Gedan­ken ent­stand der Plan für eine Aktion, an deren Vor­be­rei­tun­gen seit Wochen eine gan­zes Team arbei­tet. Auf wel­che Weise sich all das ent­wi­ckelt hat, das hat mich selbst über­rascht, und es über­rascht mich immer wie­der aufs Neue: So viele Men­schen, so viel Herz und Ver­stand, all diese frei­wil­li­gen Anstren­gun­gen für eine gute Sache. Mich macht das sehr dank­bar.

Am 16.11.2011 geht es los, dann star­tet die Aktion Libero.

Ohne diese Men­schen wäre der nächste Mitt­woch nur ein Mitt­woch: Andi Alt­hoff, Ste­fa­nie Bar­thold, Alex Feu­er­herdt, Sebas­tian Fieb­rig, Manuel Gei­ger, Jens von Har­der, Jens H., Fanny Hea­ther, Tobias Krei­mer, Ste­fa­nie Lamm, Kai L., Alex­an­der Leh­mann, Jens Matheus­zik, Max Ost, Jens Peters, Rosa Wer­ne­cke, Peter Schmitt, Tors­ten Sei­ler, Sebas­tian Weiss­born, Patrick Völk­ner und ein Dank auch an jene, die ich ver­gaß (was schlimm wäre), oder heute nicht nen­nen kann.

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Trikottausch

»Das Tri­kot beinhal­tet viele Werte«, sagt Bun­des­trai­ner Löw. Da hat er Recht, in der Regel ste­cken teure Spie­ler drin, aber gemeint ist es anders: Stolz, Tra­di­tion, große Erfolge, Namen und Geschich­ten, all das gehört zur Inhalts­an­gabe, die­ses Tri­kot soll wie all jene zuvor emo­tio­nal auf­ge­la­den wer­den:

Drei dünne Dia­go­nal­strei­fen in den Natio­nal­far­ben schwarz, rot und gold, die die Attri­bute »Dyna­mik, Stolz und Ele­ganz« spie­geln sol­len, zie­ren das Heim­tri­kot.

Ob nun tat­säch­lich der Ein­druck von Dyna­mik ent­steht, wenn man diese dün­nen Linien sieht, das darf man bezwei­feln, aber es ist auch gar nicht rele­vant: Jede Idee kann man erklä­ren und keine Erklä­rung lässt sich unge­hört machen – das beein­flusst zwangs­läu­fig die Rezep­tion, die Dyna­mik wird her­bei­ge­re­det. Das Hand­buch zum Tri­kot ist geschrie­ben und ver­in­ner­licht, so etwas funk­tio­niert, Desi­gner tun es des­halb regel­mä­ßig und gerne. Es hilft vor allem schwa­chen Ent­wür­fen, gutes Design braucht keine Erklä­run­gen.

Die Akzep­tanz die­ser Mit­tel­mä­ßig­keit geschieht zwangs­läu­fig, denn auch in der Gestal­tung ist es so: Gewohn­heit kor­rum­piert. An jedes noch so schlechte Ding kann man sich gewöh­nen, mit dem drit­ten und vier­ten Blick wird ver­traut, was im Grunde nur auf den ers­ten Blick authen­tisch beur­teilt wer­den konnte. Das ist ein biss­chen schade, weil die sum­mierte Schön­heit im All­täg­li­chen unter die­ser Flüch­tig­keit des guten Geschmacks lei­det, ande­rer­seits ist es hilf­reich: Ich habe das neue Tri­kot jetzt zum drit­ten Mal ange­schaut, lang­sam tut es weni­ger weh.

Erst das Neue macht das Aktu­elle zum Alten. Auch die­ser Umstand wird Teil von Rezep­tion und Urteil, und wer ver­kau­fen muss, nutzt das gerne. Nicht umsonst brin­gen Auto­her­stel­ler selbst dann neue Modelle auf den Markt, wenn es tech­nisch kaum Ände­run­gen gibt: Ein ers­ter Schritt für das Neu­ge­schäft ist, Fak­ten zu schaf­fen – das neue Modell ver­or­tet das aktu­elle Auto in der Ver­gan­gen­heit. Eine Opti­mie­rung von Tech­nik, Qua­li­tät oder Design ist nicht zwin­gend not­wen­dig für die­sen Pro­zess, Kern des Prin­zips ist die Ver­än­de­rung.

Im Prin­zip tut es der DFB hier den Bun­des­li­ga­ver­ei­nen gleich: Mehr Tri­kots zu ver­kau­fen wird leich­ter, wenn es neue Tri­kots sind. Der Kreis poten­ti­el­ler Käu­fer wird maxi­miert, der Ver­kauf star­tet mit berei­nig­ter Ziel­gruppe. Auch die Natio­nal­spie­ler wer­den für die Ver­mark­tung ein­ge­spannt, sie erfül­len die Auf­gabe pflicht­be­wusst, mit unter­schied­li­chem Talent. Wenn Phi­lip Lahm das neue Tri­kot kom­men­tiert, »das neue Design ist sehr ele­gant, und auch der Stoff fühlt sich rich­tig gut an«, dann muss man unwei­ger­lich an spät­nächt­li­che Ver­kaufs­sen­dun­gen den­ken.

Könnte man den Ver­ei­nen den Zwang zur Gewinn­ma­xi­mie­rung noch als Ent­schul­di­gung durch­ge­hen las­sen für die­sen fort­wäh­ren­den Tri­kot­tausch – obwohl ich den ers­ten beju­beln würde, der sich ver­wehrte –, so fällt mir das bei den Kla­mot­ten des DFBs end­gül­tig schwer. Warum also Fans ohne Not in eine Situa­tion brin­gen? Ein gut gestal­te­tes Tri­kot dürfte gerne lange getra­gen wer­den, ein paar Jahre ganz sicher, oder Deka­den. Und da wären sie dann auch wirk­lich drin: Stolz, Tra­di­tion, große Erfolge, Namen und Geschich­ten.

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Kicker Deluxe

  • Teckell

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  • Opus

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  • Panna

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  • 11 | The Beau­ti­ful Game

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  • Jared Arp

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  • AL_Kicker

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Es ist lange her, dass ich das letzte Mal Tisch­ki­cker gespielt habe, mein Sohn musste auf einen Stuhl klet­tern, um auf das Spiel­feld sehen zu kön­nen. Er hatte kaum Spaß, weil er die Griffe nicht rich­tig erreichte, und ich musste meine Spie­ler vor­sich­tig bewe­gen, damit ihn nicht eine der Spiel­stan­gen von sei­nem Stuhl schubste. Ein paar Minu­ten ging das gut, dann ver­ließ ihn die Lust. Ich musste lächeln über das Erwa­chen der alten Auto­ma­tis­men in mir, das Dre­hen und die seit­li­chen Vor­la­gen, das Umspie­len über Bande, beson­ders gut spielte ich nie, aber es hat immer Spaß gemacht.

Es war ein ural­ter Tisch wie ich es mag, aus­rei­chend robust gebaut sind für zehn­tau­sende Spiele. Ich würde gerne dar­auf war­ten, dass irgendwo einer aus­ge­mus­tert wird, auf dass ich ihn ret­ten könnte, und meine Erin­ne­rung. Aber leis­ten kann ich mir weder solch einen alten Tisch, noch einen neuen, und schon gar nicht einen von jenen, die ich bei mei­ner Suche gefun­den habe. Das näm­lich sind Luxus­ti­sche:

Der Opus zum Bei­spiel ist hand­ge­macht und aus bes­ten Mate­ria­lien, das Aus­se­hen der Figu­ren kann man selbst bestim­men – wer mag, kann sogar belie­bige Gesich­ter über eine spe­zi­elle Tech­nik als Vor­lage für die Figu­ren bestim­men. Oder man spielt gleich Gut gegen Böse, Gan­dhi gegen Hit­ler, über 400 Mann­stun­den Arbeit ste­cken in einem sol­chen Tisch. Ganz anders der High-Tec-Tisch 11 | THE BEAUTIFUL GAME, sein Ver­kauf star­tet bei knapp 50.000 Euro. Dafür bekommt man dann aber auch ein ech­tes Heim­sta­dion – beleuch­tet, mit auto­ma­ti­scher Tor­zäh­lung und ande­ren Extras, das Video ist sehens­wert. Größ­ten­teils trans­pa­rent ist die Serie von Teckell, am bes­ten gefällt mir das Modell Krys­tel White, viel redu­zier­ter ist im Ver­gleich der AL_Kicker von Bene, die­ses Modell ist für das Büro gemacht. Ein kom­plet­ter Gegen­ent­wurf im Retro-Stil ist der Foos­ball Table von Jared Arp. Ob der mich nun mehr an einen bul­li­gen Stra­ßen­kreu­zer erin­nert, oder an ein Schiff, das kann ich kaum sagen, viel­leicht auch an einen ural­ten Pan­zer.

Am liebs­ten von all jenen, die dort oben zu sehen sind, mag ich jedoch Panna, ein Ein­zel­stück aus Beton. Vier Spie­ler nur, zwei gegen zwei – ein Kon­zept, das vom Stra­ßen­fuß­ball über­nom­men wurde und die­sem auch gewid­met ist. Die Beson­der­heit: Man kann dem Geg­ner den Ball auch durch die Beine spie­len. Ursprüng­lich ist der Tisch für eine Nike-Aktion ent­wi­ckelt und gebaut wor­den, spä­ter wurde er bei einem Unfall beschä­digt. Aber ganz gleich, ob er nun per­fekt oder defekt, bezahl­bar ist er auf kei­nen Fall.

Sein Foto behalte ich den­noch, man kann ja nie wis­sen: Beton kos­tet nicht die Welt.

Veröffentlicht von: Harald Müller | Unterhaltung: Kommentare deaktiviert | Kategorie: Text

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