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Freundschaftsdienst

Das letzte Mal, dass ich Michael Preetz per­sön­lich gese­hen habe, ist schon etwas län­ger her. Damals spielte ich bei Turu, nach dem Trai­ning musste man sich Stein­chen roter Asche aus Schürf­wun­den krat­zen, die Bälle waren alt und schwer, die Klei­dung dys­funk­tio­nal, die Zei­ten den­noch nicht bes­ser. Sein Vater hatte uns trai­niert, ein enga­gier­ter Mann mit viel Sach­ver­stand und gro­ßem Selbst­be­wusst­sein, das er gerne mit uns teilte. Vater Preetz besaß die Fähig­keit, auf gesunde Weise zu moti­vie­ren, und es wun­dert mich nicht, dass sein Sohn spä­ter eine beacht­li­che Kar­riere als Spie­ler machte. Michael war deut­lich jün­ger als wir und spielte für einen ande­ren Ver­ein, aber einige Male trai­nierte er den­noch bei uns mit. Er konnte locker mit­hal­ten, ein biss­chen ärgerte uns das, aber ver­wun­dert waren wir nicht. Ich habe Vater und Sohn als freund­li­che, ehr­li­che und sehr natür­li­che Men­schen ken­nen­ge­lernt. Darin kann man sich täu­schen, schon klar, und den­noch will es mir schlicht nicht gelin­gen, Michael Preetz als einen Lüg­ner zu sehen.

Das letzte Mal, dass ich Mar­kus Bab­bel sah, war bei einem Pokal­spiel gegen Fürth, nur wenige Dinge sind mir aus die­sem Spiel in Erin­ne­rung geblie­ben. Die Ent­täu­schung über Hleb bei­spiels­weise, der in nur sehr weni­gen Sze­nen an den Men­schen erin­nerte, den ich aus den Fern­seh­über­tra­gun­gen gro­ßer Spiele kannte; Hitzl­sper­ger, der auf beklem­mende Weise schlecht spielte, wie erfro­ren, und in des­sen Hal­tung, Bewe­gung und Sein zu jeder Sekunde vor allem Resi­gna­tion spür­bar war, viel­leicht nicht ein­mal auf die­ses Spiel bezo­gen, son­dern eine viel grund­le­gen­dere, per­sön­li­che. Und ich erin­nere mich an eben die­sen Bab­bel in sei­nem schwar­zen, halb­lan­gen Man­tel, auch er wirkte selt­sam teil­nahms­los, und auch ohne dass ich ein Zuschauer gewe­sen wäre, der all das mit einer beson­de­ren Moti­va­tion betrach­tet hätte, so machte der Mann mich zuneh­mend wütend, ich kann das kaum erklä­ren, aber ich nahm vor allem war, dass er belei­digt schien, und eben das tat, was Kin­der tun, wenn sie so füh­len: Er zog sich zurück. Und er ließ die Ande­ren allein, im Stich, so kam es mir vor. Ob es tat­säch­lich so war, kann ich nicht sagen. Nur für mich fühlte es sich so an, mit einem Bier in der Hand, lecker, und ansons­ten ohne jedes siche­res Wis­sen.

An Jogi Löw musste ich den­ken, und an Bal­lack, als ich von den selt­sa­men Vor­gän­gen in Ber­lin hörte, dies­mal Preetz und Bab­bel und also wie­der zwei, von denen einer lügt. Wenn schon nicht offen und ein­deu­tig und gegen­über der Öffent­lich­keit, dann zumin­dest aber sich selbst gegen­über, indem er ver­drängt oder rela­ti­viert, was er im Sinne der Wahr­heit viel bes­ser erin­nern sollte. Ich weiß nicht – sowieso wis­sen in sol­chen Situa­tio­nen nur die Betei­lig­ten wirk­lich, was ist und was war – und ich habe den­noch ein scha­les Gefühl, denn ich glaube, dass in die­ser Ver­wir­rung unter­schied­li­cher Bot­schaf­ten ein drit­ter Mann das größte Pro­blem hat: Für Horst Heldt kommt die Ber­li­ner Tren­nung zur Unzeit, gerade jetzt, wo Huub Ste­vens die Mann­schaft zu neuen Erfol­gen führt, da ist es kaum denk­bar, dass sein Freund Bab­bel Nach­fol­ger wer­den könnte, es gibt schlicht kei­nen Anlass für einen Tausch. Gründe, das schon, aber ohne den pas­sen­den Anlass wird ein Wech­sel kaum zu ver­ar­gu­men­tie­ren sein.

Ste­vens konnte zuletzt aus pri­va­ten Grün­den nicht jedes Spiel vor Ort beglei­ten. Wenn das nun der Grund dafür wer­den sollte, dass er zurück­tritt, in bei­der­sei­ti­gem Ein­ver­neh­men, mit Abfin­dung und dem Ver­ständ­nis aller, und den Weg frei macht für Freund Bab­bel, dann würde mich das nicht über­ra­schen. Aber es würde mir nicht gefal­len. Um ehr­lich zu sein: Bei dem Gedan­ken an eine sol­che Kon­stel­la­tion habe ich sogar ein mul­mi­ges Gefühl. Man könnte es Ekel nen­nen.

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Chinatown Ballers


Fotos: Copy­right © 2011 by Dirk Anschütz (Home­page | Web­log)

Nach dem ers­ten Bild fol­gen wei­tere, auch eines von Matt Pen­rose, es ist der Mann mit der grauen Woll­kappe, sein Blick fokus­siert etwas außer­halb jenes Rah­mens, der sich dem Betrach­ter erschließt. Was auch immer es sein mag, man spürt sofort seine Fähig­keit, ein Ziel zu errei­chen; gleich­zei­tig nimmt man die Ambi­va­lenz wahr, die aus­rei­chend Fra­gen hin­ter den Deu­tun­gen offen lässt. So viel scheint klar: Der Mann liebt grau, und er liebt Fuß­ball. Matt Penorse ist Orga­ni­sa­tor von Group­stage, einer freien Fußball-Liga in New York, meist spie­len sie in Chi­na­town. Es gibt unter­schied­li­che Kate­go­rien, allen gemein­sam ist der Spaß. Und der Ernst.

Die­ser Zwei­klang ist Bild gewor­den in den Fotos von Dirk Anschütz. »Ich spiele seit über 13 Jah­ren Fuß­ball in New York«, sagt Dirk, und er erzählt von den Män­nern auf die­sen Fotos, es sind jene, die er als Mann­schafts­ka­me­ra­den kennt oder als Geg­ner, auf jeden Fall aber als Freunde und aus­rei­chend gut, dass er um die Posen weiß, in denen sich das für sie typi­sche zeigt. Bra­si­lien, Eng­land, Irland, Deutsch­land, USA, woher auch immer – in der »NY Soc­cer Com­mu­nity« tref­fen sich Men­schen im Spiel. »Ich kenne ihre Stär­ken und Schwä­chen auf dem Feld«, sagt Dirk, und sofort bin ich begeis­tert. Auch nei­disch, ein biss­chen, denn im Grunde ist es ja genau das, was ich mir wünschte, hier und für mich, und sowieso. Ich hatte immer geplant, wenn ich ein­mal ange­kom­men bin, mich einer der Grup­pen anzu­schlie­ßen, die hier um die Ecke auf dem gro­ßen Rasen spie­len, an unbe­stimm­ten Tagen, aber es kam nie dazu, ange­kom­men bin ich auch heute nicht. Viel­leicht hängt das zusam­men, weiß nicht, viel­leicht habe ich die Rol­len von Ursa­che und Wir­kung ver­tauscht.

Für mich jeden­falls klingt es nach einer idea­li­sier­ten Form des Fuß­ball­spiels, sie­ben gegen sie­ben auf Plät­zen, mit dem not­wen­di­gen Spaß, und dem Ernst den es braucht, für eine gute Begeg­nung. Viel­leicht steht das Kicken am Ende einer Folge von Din­gen, die rich­tig gemacht wur­den, schlüs­sig für einen Foto­gra­fen aus Deutsch­land, der irgend­wann weg­ging aus sicher bes­ten Grün­den, und der heute Fuß­ball spielt, in sei­ner Frei­zeit in New York, Chi­na­town, mit Men­schen aus allen Ecken der Welt, und mit Spaß, und mit Ernst.

Ich habe ein­tau­send Fra­gen.

Dirk Anschütz hat eine Home­page und ein Web­log, Groups­tage fin­det man hier.

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Daumenkino

Frü­her bin ich gerne nach mei­nem Vater auf die Toi­lette gegan­gen. Das klingt jetzt ein biss­chen selt­sam, ist es ver­mut­lich auch, aber ich musste an die­sen Geruch den­ken, vor­hin, denn mein Vater nahm immer seine Tages­zei­tung mit und es war vor allem die Druck­farbe, deren Duft sich noch lange hielt, und so waren die ers­ten wirk­lich gro­ßen aktu­el­len Fotos, die ich sah, immer auch mit einem Duft ver­bun­den, eben jenem der Tages­zei­tung mei­nes Vaters oder sei­ner Bücher, in denen manch­mal ver­ein­zelte, quiet­schen­den Hoch­glanz­sei­ten mit Abbil­dun­gen waren, die stren­ger rochen als jene der Tages­ak­tua­li­tät, immer jeden­falls waren Bil­der für mich mit Gerü­chen ver­bun­den.

Vor­hin, als ich mir all diese Bil­der von Lukas Podol­ski anschaute, musste ich also an mei­nen Vater den­ken und an seine Tages­zei­tun­gen, und es fiel mir zum ers­ten Mal auf, dass ich diese kör­per­li­che Ver­bin­dung zu den Abbil­dern ver­lo­ren habe auf ihrem Weg vom Ras­ter zum JPG, und dass sie mich nun auf eine ruhige und sehr ste­rile Weise anschauen, die Bil­der Podols­kis, und dass ich über­ra­schen­der­weise trotz der Unmög­lich­keit jeden Geruchs das Gefühl habe, es läge Tes­to­ste­ron in der Luft. Ich weiß nicht, ob man Tes­to­ste­ron über­haupt rie­chen kann, aber das macht nichts, denn es kommt auf jeden Fall an, ich kenne kaum einen zwei­ten Fuß­bal­ler, des­sen Fotos mich auf ver­gleich­bare Weise ein­schüch­tern. Das ist alles so vol­ler Kraft und Mus­keln und Ursprüng­lich­keit, dass es bei­nahe kör­per­lich spür­bar wird, wie anstren­gend es sein muss, gegen den Mann Fuß­ball zu spie­len. Oder sich mit ihm zu klop­pen. Absur­der­weise habe ich immer wie­der und gleich­zei­tig auch das Gefühl, dass da etwas Nai­ves und Schutz­be­dürf­ti­ges mit­schwingt, manch­mal, wenn er spricht, auf eini­gen Bil­der, dann ist da etwas Jun­gen­haf­tes, und es spricht das Väter­li­che in mir an.

Ich will mein Leben nicht dem sei­nen gegen­über­stel­len, aber auch ohne dass ich das tue ist klar, dass Podol­ski mich und meine väter­li­chen Impulse nicht braucht, der Mann ist stark, erfolg­reich und Mil­lio­när, und sicher all das zu Recht. Ich hatte die Fotos gesucht, weil ich eine Bild­mon­tage machen wollte: das Sta­dion der Köl­ner und in ihm Podol­ski, über­le­bens­groß her­aus­ra­gend, die Visua­li­sie­rung eines bana­len Gedan­kens, es liegt ja alles so nahe. Auch die Schal­ker Ver­su­che, den Mann teuer zu machen, ein biss­chen Unruhe in die köl­ner Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten hin­ein­zu­brin­gen, wird schon Sekun­den spä­ter durch Dut­zende Texte beglei­tet, für einen Moment dachte ich dar­über nach, dass es viel­leicht inter­es­sant sein könnte, in eine Lücke hin­ein­zu­schrei­ben und dar­über, dass Podoslki viel­leicht sauer auf diese Ver­su­che sein könnte, mit Recht, weil sie im Grunde vor allem seine Ruhe stö­ren, und ihm viel­leicht die not­wen­dige Frei­heit neh­men, eine für ihn rich­tige Ent­schei­dung zu tref­fen. Aber das ist viel­leicht auch Unsinn und sowieso längst über­holt, jetzt der Klopp mit sei­nem selt­sa­men Gerede über den Spie­ler der Ande­ren, die Ant­wort des Spie­lers, die Ent­schul­di­gung Watz­kes, Becken­bauer klingt ein, Net­zer, ich komme in der Rezep­tion kaum mehr nach, Nach­hol­spiel, Unent­schie­den.

In die­sen Tagen bin ich zu lang­sam für den moder­nen Fuß­ball.

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[the] green soccer journal

Ich bin ver­lo­ren. Ich habe erst ein biss­chen dort drü­ben her­um­ge­klickt, noch kei­nen Meter gele­sen, auch die Filme nur begon­nen, aber im Grunde brau­che ich all das auch nicht um mich auf den aller­ers­ten Blick zu ver­lie­ben: »[the] green soc­cer jour­nal« ist ein Fuß­ball­ma­ga­zin, das von einem eng­li­schen Design­stu­dio gemacht wird, mit rich­ti­gen Foto­gra­fien, hin­rei­chend selt­sa­men Tex­ten, und einer Gestal­tung, die ich schon auf der aller­ers­ten Seite hin­rei­ßend finde, das alles hat mich sofort gefan­gen genom­men. Zwar kann ich über die Texte im Grunde noch gar nichts sagen, aber es muss ein­fach so sein, dass sie groß­ar­tig sind, und dass The­men und Worte am Rande des Gewohn­ten lie­gen, das geht ja gar nicht anders, all das sieht ein­fach so rich­tig aus, dass ich mir das anders nicht vor­stel­len kann.

In ande­ren Zei­ten eines ande­ren Lebens wäre die­ses Maga­zin auf mei­nen ers­ten flüch­ti­gen Blick hin sehr nahe gewe­sen an dem, was ich selbst gerne gemacht hätte. Zwar ist mir bewusst, dass Deutsch­land viel­leicht nicht der rich­tige Ort dafür ist, und viel­leicht Fuß­ball nicht das rich­tige Thema, aber ich habe mir nie etwas dar­aus gemacht, was das nahe­lie­gend Rich­tige wäre. Was sicher eine gute Erklä­rung ist für vie­les, was in mei­nem Leben geschieht. Ein sol­ches Heft jeden­falls geschieht nicht, nicht hier und nicht von mir, und sicher ist das auch gut so. Aber ich habe es wenigs­tens gese­hen, vor­hin, und ich habe eine Gän­se­haut bekom­men, weil es mir bei­nahe scheint wie die Erin­ne­rung aus einem ande­ren Sein.

Anders gesagt: Das »green soc­cer jour­nal« gefällt mir sehr.

Veröffentlicht von: Harald Müller | Unterhaltung: Kommentare deaktiviert | Kategorie: Text

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Bayernticket
Manchester City vs. Bayern München (2:0)

Ich habe nur eine Vier­tel­stunde des Spiels der Bay­ern gese­hen, es war keine schöne Vier­tel­stunde. Es schien mir stil­los und unfair, die Situa­tion der Ande­ren zu igno­rie­ren, selbst wenn man Ers­ter ist und das auch jen­seits all der Ergeb­nisse Ande­rer blei­ben wird. Es wird sich rächen, stelle ich mir vor. Nicht, weil ich die Bay­ern nicht mag, son­dern weil ich die Ego­zen­trik hasse, die in einer sol­chen Hal­tung sicht­bar wird, mir doch wurscht, was ihr macht, wir sind durch. Im nächs­ten Spiel wer­den sie den Rhyth­mus ver­lo­ren haben, stelle ich mir vor, sie wer­den ver­lie­ren, über­ra­schend für Euch, nicht für mich, und das wäre ganz sicher anders gewe­sen nach einem ande­ren Auf­tritt in die­sem Spiel gegen die Eng­län­der. Sie sind es selbst Schuld, diese Bay­ern.

Natür­lich ist das Unsinn, denn Ego­zen­trik wird nicht bestraft, son­dern ist das Ver­nunfts­mo­dell die­ser Zeit. Das sieht auch Becken­bauer so, der wip­pende Kai­ser, auf und ab, die klei­nen Hüp­fer in sei­nem Spre­chen, als gäbe er sei­nen luf­ti­gen Wor­ten einen inne­ren Takt vor, klar, wenn man ers­ter ist, das muss man ver­ste­hen, wippt er herum, einem leich­ten Fin­ger­trom­meln ähn­lich. Ich glaube, der Mann ist sich selbst schon seit Jah­ren lang­wei­lig gewor­den, wie ein Schla­ger­sän­ger, der immer glei­che Lie­der vor immer glei­chen Men­schen auf die immer glei­che Weise und der kaum mehr weiß, wie das sein mag, erst nach­zu­den­ken und auf die Suche zu gehen nach dem, was da wirk­lich an Gedan­ken in einem her­um­schwir­ren mag. Ich würde es mögen, wenn der Kai­ser mal irgend­ei­nen Unsinn erzählt, alleine weil der ihm durch den Sinn geht, nicht also den immer­glei­chen und lange gewohn­ten Unsinn, son­dern einen ori­gi­när situa­ti­ven.

Eigent­lich tut er mir leid. Ich muss an Hel­mut Schmidt den­ken, wenn ich den Kai­ser sehe, und wie der Schmidt in sei­nem Roll­stuhl vor die Leute rollt und sie alle über­ragt, die­ser ural­ter Mann, bei dem ich sofort los­heu­len könnte wenn er in einer Selbst­ver­ständ­lich­keit von den ver­nünf­ti­gen Din­gen redet, und die klat­schende Unver­nunft der Ande­ren ein­fach so hin­nimmt. Sie stam­men aus der glei­chen Zeit, der Kai­ser und der Schmidt, zumin­dest was ihre Prä­senz an der Spitze ihrer Wel­ten angeht, und sie unter­schei­den sich so sehr, dass es mich trau­rig macht, bei­den zuzu­se­hen und ihre Dif­fe­renz in einer sol­chen Deut­lich­keit wahr­zu­neh­men.

Der wip­pende Kai­ser hat ein pral­les Gesicht bekom­men, dachte ich ges­tern, als ich ihm erneut kaum zuhö­ren konnte, und in die­sem Zwi­schen­schnitt auf die Tri­büne mit Rum­me­nigge und Hoen­ess und der Wer­bung mit Hoen­ess und Schuh­bek und Würst­chen, da fiel mir zum ers­ten mal auf, dass sie alle prall sind, die Bay­ern, und rosig, und dass sie die Gren­zen ihrer Kör­per kaum mehr hal­ten kön­nen in all die­ser Prall­heit und Rosig­keit, und ich schaue dem wip­pen­den Kai­ser zu und muss an Strauss den­ken, die­sem Pro­to­ty­pen eines wip­pen­den Seins, das all seine Gren­zen spren­gen will.

Ich weiß nicht, woran es lie­gen mag. Viel­leicht ist es alleine der gren­zen­lose Reich­tum, der es ihnen so schwer macht, sich selbst auch nur im Kör­per­li­chen Gren­zen zu set­zen, viel­leicht sitzt all das aber auch tie­fer, und es ist die Macht, oder so, die eine Form fin­den will in den Kör­pern, mäch­ti­gen Schwell­kör­per sozu­sa­gen, sich aus­deh­nen­den Uni­ver­sen der Macht, und des Gel­des, des Wol­lens und des Fuß­balls.

Ach ja, Fuß­ball.

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Montagsspiel
MSV Duisburg vs. Fortuna Düsseldorf (0:2)

Wie­der ein Mon­tag und wie­der ein Sieg, es sind Mur­mel­tier­tage, diese Mon­tage mit der For­tuna. Die Düs­sel­dor­fer sind Herbst­meis­ter in der zwei­ten Liga und haben mit 41 Hin­run­den­punk­ten ein neuen Rekord auf­ge­stellt. Ihre letzte Nie­der­lage kann ich kaum mehr erin­nern, eine uralte dafür umso lie­ber – ein Pokal­spiel der D-Jugend und eines der weni­gen Spiele, das mein Vater sich anschaute, eines der weni­gen Spiele auch, in denen ich ein Tor schoss, das ein­zige des Spiels, For­tuna flog raus. Ich sehe die Szene noch vor mir, aber es immer so eine Sache, das mit der Erin­ne­rung.

Die Genug­tu­ung ist mir geblie­ben, unge­ach­tet der Frag­wür­dig­keit mei­ner Erin­ne­run­gen, denn ein Sieg gegen die For­tuna war immer etwas Beson­de­res für uns – das war der Ver­ein, der die Arro­ganz lächelnd vor sich her­trug, da spiel­ten jene Jungs, die es geschafft hat­ten. Die meis­ten dort ver­dien­ten das natür­lich auch, sie alle hat­ten viel dafür getan, aber für ein Lächeln im Neid reichte unsere Erfah­rung noch nicht. Es gab eine Hand­voll guter Ver­eine, damals, wir wuss­ten von­ein­an­der und wir moch­ten uns nicht. Diese Zeit hängt uns nach, der For­tuna und mir.

Ich habe den Ver­ein nicht ver­folgt auf sei­nem Nie­der­gang, ich habe seine Wie­der­ge­burt nicht mit­er­lebt, erst mit dem Durch­marsch der letz­ten Monate sind sie erneut in mein Sicht­feld getram­pelt. Ich mag ihre Spiel­weise, ich mag die Gesänge, ich mag diese Siege, und den­noch geht mir der Spaß an der Sache auch heute und in den Tagen des Erfol­ges immer wie­der ver­lo­ren. Es sind zwei Dinge, die mich ner­ven: Diese Unsport­lich­keit und der Trai­ner, und manch­mal denke ich, dass bei­des zusam­men­hängt. Denn so fan­tas­tisch Nor­bert Meier als Trai­ner bewie­se­ner­ma­ßen auch sein mag – ich trage dem Mann die bescheu­erte Kopf­nuss auch heute noch nach: Die Aggres­sion die­ses Moments, und die Falsch­heit in sei­nem Ver­such einer Täu­schung, daran werde ich erin­nert, wenn wie­der ein­mal ein For­tune durch die Luft segelt, thea­tra­lisch auf dilet­tan­ti­sche Weise: In ihrer Absur­di­tät sind sie sich ähn­lich, diese Sze­nen von damals und heute. Das ist schade, denn nötig hät­ten die Spie­ler das nicht.

Viel­leicht wird es ja spä­ter noch was, das mit mir, der For­tuna, und Meier – es gibt Hoff­nung: Neu­lich rannte der Mann über den hal­ben Platz um sich auf seine jubeln­den Spie­ler zu stür­zen, es war ein wich­ti­ges Tor in letz­ter Minute gefal­len. Diese kind­li­che Freude hat mir gefal­len, und zum ers­ten Mal dachte ich, ach der Meier, der ist schon ok, irgend­wie, und bis zum nächs­ten Elf­me­ter hielt es an, die­ses erste Gefühl einer Rela­ti­vie­rung. Jeden­falls bin ich gespannt, wie es wei­ter­geht – wel­che Serien hal­ten und wel­che enden, ob es dies­mal für einen Auf­stiegs­platz rei­chen wird, und natür­lich, wann die nächste Nie­der­lage kommt. Viel­leicht schnel­ler, als ich selbst das gern hätte: Ein paar Tage vor Weih­nach­ten wird Borus­sia Dort­mund nach Düs­sel­dorf fah­ren, am 20.12. fin­det das Pokal­spiel der bei­den statt. Das wird ein Diens­tag sein.

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The Foospaper

Copy­right © 2011 by Tom Chitty (The Foos­pa­per | @foospaper)

Fuß­ball ist eine ernste Ange­le­gen­heit. Wenn es doch ein­mal lus­tig wird, geschieht das meist unfrei­wil­lig, es fül­len sich Bücher mit den Zita­ten von Fuß­bal­lern und Trai­nern. Die­sen eher höh­ni­schen Ansatz muss man mögen, ich ja nicht so. Das dort oben hin­ge­gen finde ich wun­der­voll, frisch aus Lon­don: The Foos­pa­per.

Fuß­ball, gezeich­net und vol­ler Humor, ich kenne kaum etwas Ver­gleich­ba­res. Noch nicht ein­mal drei Monate ist »The Foos­pa­per« alt, und bis­her gibt es das nur im Netz. Ver­mut­lich wird sich das ändern, zumin­dest ist es dem Macher zu wün­schen – Tom Chitty arbei­tet als Illus­tra­tor in Lon­don und für nam­hafte Kun­den, zeich­net von Hand, säu­bert und kolo­riert digi­tal. »The Foos­pa­per« is not par­ti­san, ant­wor­tete er auf meine Frage nach sei­nem Lieb­lings­team, ver­mut­lich gelo­gen, aber so kann sich zumin­dest nie­mand beschwe­ren. Den deut­schen Fuß­ball hat er nicht auf dem Radar, er wird sich das bei den nächs­ten Begeg­nun­gen der Cham­pi­ons Lea­gue ein­mal näher anschauen. Ich muss ein biss­chen auf­pas­sen, dass ich nicht raus­platze mit den gan­zen Bild­ideen für ihn, würde nichts brin­gen, mein Humor bleibt sel­ten geteilt: Ich habe ja selbst mal ein Comic gezeich­net, ande­res Thema und andere Zeit, unge­fähr zwan­zig Jahre her und längst ver­jährt, ein gro­ßer Erfolg – zumin­dest was die Leh­ren angeht, die ich dar­aus gezo­gen habe. Aber das ist eine andere Geschichte.

The Foos­pa­per gibt es auch auf Twit­ter.

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