Auch ich habe nichts Neues gedacht. Hätte man an jenem Tag die Hirne Deutschlands mit Lautsprechern versehen, die Straßen wären auch nach dem Spiel noch erfüllt vom Gleichklang der Eindrücke, warum nur hat Gomez gerade heute einen seiner Stumpfußtage gehabt; wie kann man Robben seine Egozentrik so uneingeschränkt durchgehen lassen; oh Himmel, wie kann Heynckes den Müller auswechseln; ausgerechnet Pfosten, Vollpfosten, ausgerechnet im Elfmeterschießen fehlen die Nerven; und ja, natürlich, dieses Eckenverhältnis!, diese Chancen!, wenn man drölf Chancen auslässt und das eine Ding fängt, dann hat man es eben nicht anders verdient; und so weiter und so fortgeschrieben in den Blogs und Gazetten, wir wissen es alle und besser, es gibt viele Gründe für diese Niederlage. Und keinen.
Denn all das ist Unsinn. Mit gutem Recht hätte man einen hohen Sieg dieser Bayernmannschaft mit dem gleichen Blick erklären können, was fehlte, ist nicht in den Fakten zu finden – nicht in der Taktik, nicht im Coaching, nicht in persönlichem Unvermögen, was sollte das schon bringen, den um zwei Millimeter falsch stehenden Fuß als den letzten Grund dingfest machen zu können? In kaum einem zweiten Spiel sprach die erlebte Realität so sehr gegen das Resultat, ließen Ergebnis und Analyse so ratlos zurück. Jeder hat das Offensichtliche sehen können und gleichzeitig keinen der guten Gründe auch als einen solchen gefühlt, das Gefühl von Erkenntnis blieb aus und mit ihm auch der letzte Rest von Befriedigung.
Vielleicht ist es das, was die Sache so seltsam schmerzhaft macht: Das sichere Wissen um die Unsinnigkeit einer Spurensuche und das quälende Gefühl der Schicksalhaftigkeit. Es war … Pech, oder anders und mit Trainer Baade gesagt … Fußball. Man könnte auch sagen: Leben. Denn das kennt man ja, diese Momente der Unabwendbarkeit, die hilflose Suche nach Gründen, das Hadern und den Schmerz. Die stille Sehnsucht, dass es irgendeine Erklärung geben muss für das, was geschah, denn jede Erklärung, sei sie auch noch so Beleg für eine vertane Gelegenheit, gäbe ja immerhin das Gefühl, dass nichts von alldem zwingend gewesen ist. Das würde helfen, denn nur mit einer guten Erklärung hätte es anders kommen können.
An solch einer Idee halten wir fest, denn alles andere würde bedeuten, dass wir am Ende allen Wissens und Denkens tatsächlich: ausgeliefert sind. Natürlich sind wir das auch, aber sich das alltäglich vor Augen halten, wäre kaum zu ertragen. Und so werden wir weiter nach Gründen suchen für diese und jenes, und das Leben wird uns weiterhin Grenzen aufzeigen. Jede Sehnsucht nach totaler Kontrolle wird unerfüllt bleiben – wir können alles versuchen, vieles schaffen, mehr nicht. Was nicht sein soll, das wird nicht geschehen; das Schicksal lehrt uns Demut. Das tut ein bisschen weh, aber es ist ohne Alternative.
Locker bleiben.
22/05/2012 @ 16:09
Kurze Klugscheißung: Es heißt »Loser«, mit einem »O« ;--))
22/05/2012 @ 19:08
Danke, Rainersacht. (Aber nicht in diesem Text.)
22/05/2012 @ 22:02
Erklärst du mir den Witz?
22/05/2012 @ 22:20
Ja, gerne, Witze erklären ist dufte: Die Headline bezieht sich auf den letzten Satz des Textes, auch dann ist sie nicht korrekt, schon klar. Aber das macht nichts.
27/05/2012 @ 10:09
Wieder mal klasse geschrieben und leider so wahr...
Naja, das Leben ist nunmal en fiese möpp oder um es auf deutsch zu sagen: life is a bitch – and then you die ;)
05/06/2012 @ 10:41
»Locker bleiben« ist genau das Motto des morgigen Bloggertreffens - das kann kein Zufall sein! ;)
http://wuerzblog.de/2012/05/22/bloggen-und-lesen-treffen-und-feiern/
06/06/2012 @ 18:36
Oh, sehr gerne beim nächsten mal; aber jetzt geht es nach Düsseldorf, morgen nach Köln – die Aktion Libero ist auf dem Come-Together-Cup.