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Looser
FC Bayern vs. Chelsea FC (4:5)

Auch ich habe nichts Neues gedacht. Hätte man an jenem Tag die Hirne Deutsch­lands mit Laut­spre­chern ver­se­hen, die Stra­ßen wären auch nach dem Spiel noch erfüllt vom Gleich­klang der Ein­drü­cke, warum nur hat Gomez gerade heute einen sei­ner Stump­fuß­tage gehabt; wie kann man Rob­ben seine Ego­zen­trik so unein­ge­schränkt durch­ge­hen las­sen; oh Him­mel, wie kann Heynckes den Mül­ler aus­wech­seln; aus­ge­rech­net Pfos­ten, Voll­pfos­ten, aus­ge­rech­net im Elf­me­ter­schie­ßen feh­len die Ner­ven; und ja, natür­lich, die­ses Ecken­ver­hält­nis!, diese Chan­cen!, wenn man drölf Chan­cen aus­lässt und das eine Ding fängt, dann hat man es eben nicht anders ver­dient; und so wei­ter und so fort­ge­schrie­ben in den Blogs und Gazet­ten, wir wis­sen es alle und bes­ser, es gibt viele Gründe für diese Nie­der­lage. Und kei­nen.

Denn all das ist Unsinn. Mit gutem Recht hätte man einen hohen Sieg die­ser Bay­ern­mann­schaft mit dem glei­chen Blick erklä­ren kön­nen, was fehlte, ist nicht in den Fak­ten zu fin­den – nicht in der Tak­tik, nicht im Coa­ching, nicht in per­sön­li­chem Unver­mö­gen, was sollte das schon brin­gen, den um zwei Mil­li­me­ter falsch ste­hen­den Fuß als den letz­ten Grund ding­fest machen zu kön­nen? In kaum einem zwei­ten Spiel sprach die erlebte Rea­li­tät so sehr gegen das Resul­tat, lie­ßen Ergeb­nis und Ana­lyse so rat­los zurück. Jeder hat das Offen­sicht­li­che sehen kön­nen und gleich­zei­tig kei­nen der guten Gründe auch als einen sol­chen gefühlt, das Gefühl von Erkennt­nis blieb aus und mit ihm auch der letzte Rest von Befrie­di­gung.

Viel­leicht ist es das, was die Sache so selt­sam schmerz­haft macht: Das sichere Wis­sen um die Unsin­nig­keit einer Spu­ren­su­che und das quä­lende Gefühl der Schick­sal­haf­tig­keit. Es war … Pech, oder anders und mit Trai­ner Baade gesagt … Fuß­ball. Man könnte auch sagen: Leben. Denn das kennt man ja, diese Momente der Unab­wend­bar­keit, die hilf­lose Suche nach Grün­den, das Hadern und den Schmerz. Die stille Sehn­sucht, dass es irgend­eine Erklä­rung geben muss für das, was geschah, denn jede Erklä­rung, sei sie auch noch so Beleg für eine ver­tane Gele­gen­heit, gäbe ja immer­hin das Gefühl, dass nichts von all­dem zwin­gend gewe­sen ist. Das würde hel­fen, denn nur mit einer guten Erklä­rung hätte es anders kom­men kön­nen.

An solch einer Idee hal­ten wir fest, denn alles andere würde bedeu­ten, dass wir am Ende allen Wis­sens und Den­kens tat­säch­lich: aus­ge­lie­fert sind. Natür­lich sind wir das auch, aber sich das all­täg­lich vor Augen hal­ten, wäre kaum zu ertra­gen. Und so wer­den wir wei­ter nach Grün­den suchen für diese und jenes, und das Leben wird uns wei­ter­hin Gren­zen auf­zei­gen. Jede Sehn­sucht nach tota­ler Kon­trolle wird uner­füllt blei­ben – wir kön­nen alles ver­su­chen, vie­les schaf­fen, mehr nicht. Was nicht sein soll, das wird nicht gesche­hen; das Schick­sal lehrt uns Demut. Das tut ein biss­chen weh, aber es ist ohne Alter­na­tive.

Locker blei­ben.