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Seitenwechsel

Vor eini­gen Stun­den unter­hielt ich mich mit einer Freun­din über den Anspruch einer authen­ti­schen Hal­tung in der Kom­mu­ni­ka­tion, es ging um Pri­va­tes und griff dann über auf die kom­mu­ni­ka­ti­ven Aspekte der Kunst, das Schau­spiel oder die Musik, das gespro­chene Wort oder das Schrei­ben als jenen Aspekt, der mir am nächs­ten ist. Es ist mir mitt­ler­weile ent­glit­ten, das Schrei­ben, und nicht mehr nor­ma­ler Teil mei­nes All­tags, aber gerade im Schrei­ben nahm ich jenen Unter­schied immer beson­ders deut­lich wahr, zwi­schen einer rein tech­ni­schen Her­an­ge­hens­weise und dem Rin­gen um ein wahr­haf­ti­ges Füh­len und Den­ken und dem Anspruch, die­sen Zustand auch in eine Form des Lesens zu ret­ten, das bei jenem unbe­kann­ten Gegen­über zu einem ver­gleich­ba­ren Zustand führt, Schrei­ben als so etwas wie ein Vehi­kel für Seins­zu­stände.

Das Bewusst­sein der Rah­men­be­din­gung beein­flusst die eigene Hal­tung, es ver­än­dert das Sein, und einer der schwie­ri­gen Aspekte des Schrei­bens besteht in dem Rin­gen um Eman­zi­pa­tion von die­sem Bewusst­sein. Das gelingt nicht immer, auch gibt es kei­nen ruhi­gen Ort am Ende eines wie auch immer gegan­ge­nen Weges, an dem man sich sicher sein kann – all das ist ein fort­wäh­ren­der Pro­zess, und der Befrei­ung des einen Moments folgt einer erneu­er­ter Zustand, dem man erneut auch miss­trau­isch begeg­nen muss, wie sich selbst.

Daran musste ich den­ken, und an die dahin­ter lau­ern­den Ver­wir­run­gen, als ich vor­hin Olli­vier Pour­riol und Raphaël Ent­ho­ven zuhörte, wie sie über Fuß­ball spra­chen, und über die wech­sel­sei­tige Beein­flus­sun­gen von Spiel und Spie­lern, Zuschau­ern, Medien, und für mich beson­ders neu und beein­dru­ckend auch dar­über, wie die Dar­stel­lung von Fuß­ball seine Ent­wick­lung beein­flusst.

Sehens­wert und inspi­rie­rend: Phi­lo­so­phie: Fuß­ball auf arte.

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Malzbierabend
Samstag, 17. November 2012, Zum Scheuen Reh

Das Scheue Reh hat Vit­a­malz, das ist gut. Am kom­men­den Frei­tag werde ich näm­lich mei­nen Soh­ne­mann von der Schule abho­len, und wir wer­den uns auf den Weg machen in Rich­tung Düs­sel­dorf, und am Abend dar­auf nach Köln fah­ren. Dort fin­det ein Dis­kus­si­ons­abend der Aktion Libero statt, Ronny Blaschke wird da sein, Jan F. Orth, Andreas Sti­ene, Dirk Leib­fried, und sie alle wer­den mit Alex Feu­er­herdt reden, über Fuß­ball, Homo­se­xua­li­tät und die Rolle der Medien. Ich werde zuhö­ren, gemein­sam mit mei­nem Sohn.

Er ist ja auch von Anfang an dabei, mein Sohn, und hatte damals das Bild gezeich­net zu mei­nem Arti­kel. Noch heute macht es mich Lächeln, wenn ich mich daran erin­nere, mit wel­cher Leich­tig­keit er die Schwie­rig­kei­ten einer ihm voll­kom­men frem­den Lebens­si­tua­tion begrif­fen hatte, deren Ver­ständ­nis manch einem auf immer ver­schlos­sen bleibt. Er liebt Malz­bier, mein Sohn. Und ich liebe ihn.

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Looser
FC Bayern vs. Chelsea FC (4:5)

Auch ich habe nichts Neues gedacht. Hätte man an jenem Tag die Hirne Deutsch­lands mit Laut­spre­chern ver­se­hen, die Stra­ßen wären auch nach dem Spiel noch erfüllt vom Gleich­klang der Ein­drü­cke, warum nur hat Gomez gerade heute einen sei­ner Stump­fuß­tage gehabt; wie kann man Rob­ben seine Ego­zen­trik so unein­ge­schränkt durch­ge­hen las­sen; oh Him­mel, wie kann Heynckes den Mül­ler aus­wech­seln; aus­ge­rech­net Pfos­ten, Voll­pfos­ten, aus­ge­rech­net im Elf­me­ter­schie­ßen feh­len die Ner­ven; und ja, natür­lich, die­ses Ecken­ver­hält­nis!, diese Chan­cen!, wenn man drölf Chan­cen aus­lässt und das eine Ding fängt, dann hat man es eben nicht anders ver­dient; und so wei­ter und so fort­ge­schrie­ben in den Blogs und Gazet­ten, wir wis­sen es alle und bes­ser, es gibt viele Gründe für diese Nie­der­lage. Und kei­nen.

Denn all das ist Unsinn. Mit gutem Recht hätte man einen hohen Sieg die­ser Bay­ern­mann­schaft mit dem glei­chen Blick erklä­ren kön­nen, was fehlte, ist nicht in den Fak­ten zu fin­den – nicht in der Tak­tik, nicht im Coa­ching, nicht in per­sön­li­chem Unver­mö­gen, was sollte das schon brin­gen, den um zwei Mil­li­me­ter falsch ste­hen­den Fuß als den letz­ten Grund ding­fest machen zu kön­nen? In kaum einem zwei­ten Spiel sprach die erlebte Rea­li­tät so sehr gegen das Resul­tat, lie­ßen Ergeb­nis und Ana­lyse so rat­los zurück. Jeder hat das Offen­sicht­li­che sehen kön­nen und gleich­zei­tig kei­nen der guten Gründe auch als einen sol­chen gefühlt, das Gefühl von Erkennt­nis blieb aus und mit ihm auch der letzte Rest von Befrie­di­gung.

Viel­leicht ist es das, was die Sache so selt­sam schmerz­haft macht: Das sichere Wis­sen um die Unsin­nig­keit einer Spu­ren­su­che und das quä­lende Gefühl der Schick­sal­haf­tig­keit. Es war … Pech, oder anders und mit Trai­ner Baade gesagt … Fuß­ball. Man könnte auch sagen: Leben. Denn das kennt man ja, diese Momente der Unab­wend­bar­keit, die hilf­lose Suche nach Grün­den, das Hadern und den Schmerz. Die stille Sehn­sucht, dass es irgend­eine Erklä­rung geben muss für das, was geschah, denn jede Erklä­rung, sei sie auch noch so Beleg für eine ver­tane Gele­gen­heit, gäbe ja immer­hin das Gefühl, dass nichts von all­dem zwin­gend gewe­sen ist. Das würde hel­fen, denn nur mit einer guten Erklä­rung hätte es anders kom­men kön­nen.

An solch einer Idee hal­ten wir fest, denn alles andere würde bedeu­ten, dass wir am Ende allen Wis­sens und Den­kens tat­säch­lich: aus­ge­lie­fert sind. Natür­lich sind wir das auch, aber sich das all­täg­lich vor Augen hal­ten, wäre kaum zu ertra­gen. Und so wer­den wir wei­ter nach Grün­den suchen für diese und jenes, und das Leben wird uns wei­ter­hin Gren­zen auf­zei­gen. Jede Sehn­sucht nach tota­ler Kon­trolle wird uner­füllt blei­ben – wir kön­nen alles ver­su­chen, vie­les schaf­fen, mehr nicht. Was nicht sein soll, das wird nicht gesche­hen; das Schick­sal lehrt uns Demut. Das tut ein biss­chen weh, aber es ist ohne Alter­na­tive.

Locker blei­ben.

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Oben ohne

For­tuna Düs­sel­dorf 1895, Heim­tri­kot – nicht 2012 oder 13, nicht irgend­wann.

Diese vie­len neuen Natio­nal­tri­kots, wie sie auf Tum­blr und anderswo zu sehen sind, die sind ja auch des­halb so schön, weil sie nicht Hin­ter­grund für Spon­so­ren­bot­schaf­ten sein müs­sen. Man kann sich vor­stel­len, wel­che Qual es hin­ge­gen für Desi­gner sein muss, diese unge­woll­ten Haupt­dar­stel­ler auf den Tri­kots für den All­tag der Ligen ein­kal­ku­lie­ren zu müs­sen.

Der erste, der sich ein Herz nähme und Ver­zicht übte, es viel­leicht bei einem klei­nen Hin­weis beließe und den­noch das große Geld gäbe, die­ser Spon­sor hätte meine volle Sym­pa­thie.

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»Am Ende setzt sich Qualität immer durch«
Interview: Max-Jacob Ost

Foto: Copy­right © 2012 Max-Jacob Ost

Max-Jacob Ost hat Ger­ma­nis­tik, BWL und Poli­tik stu­diert, arbei­tete als freier Jour­na­list für 11Freunde und wech­selte spä­ter zu SPOX um dort eine User-Redaktion auf­zu­bauen, Mitte 2010 wurde er Lei­ter der Com­mu­nity und ver­ant­wort­lich für Social Media. Eine sei­ner Moti­va­tio­nen ist, die Dis­tanz zwi­schen kon­ven­tio­nel­len Medien und dem freien Netz zu ver­rin­gern, Inter­ak­tion zu för­dern, die Gren­zen zwi­schen Aktion und Rezep­tion zu ver­wi­schen, seine Vor­stel­lung von einem koope­ra­ti­ven Umgang wird in all dem deut­lich. Die »Blog­schau« war lange Aus­druck die­ser Ein­stel­lung, zuerst bei 11Freunde und spä­ter bei SPOX hat er hier wöchent­lich die aus sei­ner Sicht auf­fäl­ligs­ten Texte aus der Szene der Sport­blogs vor­ge­stellt, Neu­ent­de­ckun­gen prä­sen­tiert, eine Platt­form geschaf­fen für »das Gute und Inter­es­sante da drau­ßen«. Jetzt ist Schluss, die Blog­schau wird ein­ge­stellt. Und das hat Gründe.

frei­tags­spiel: Die Blog­schau gab es schon bei 11Freunde, dei­ner ers­ten Sta­tion im Sport­jour­na­lis­mus. Wie ist die­ses For­mat ent­stan­den?

Max-Jacob Ost: Ich habe irgend­wann im Jahr 2007 die Sport­blo­go­sphäre für mich ent­deckt und war sehr posi­tiv über­rascht von ihrer Viel­falt und Qua­li­tät. Gleich­zei­tig bekam ich mit, dass auch andere Jour­na­lis­ten in den Blogs lasen, sich teil­weise auch von den dort gesetz­ten The­men inspi­rie­ren lie­ßen. Doch trotz­dem wurde den Blog­gern nir­gendwo außer­halb ihres Kos­mos eine Platt­form gebo­ten. Das hat mich ein biss­chen geär­gert und gleich­zei­tig ange­spornt, selbst ein For­mat aus­zu­pro­bie­ren. Die Form der Blog­schau musste sich dann im Laufe der Zeit noch fin­den. Das Ziel war aber immer das­selbe: Jenen Lesern die Blo­go­sphäre näher zu brin­gen, die sie noch nicht kann­ten oder zu schät­zen wuss­ten.

Das scheint gelun­gen zu sein, zumin­dest wenn ich die Aus­wir­kun­gen auf mein Blog betrachte – mit jeder Erwäh­nung stei­gen auch die Zugriffs­zah­len sprung­haft an . Wöchent­lich stellst du eine Aus­wahl jener Texte zusam­men, die dir bemer­kens­wert erschei­nen, die »tren­ding Topics« ahnend, aber immer wie­der auch mit inter­es­san­ten, bis­her unbe­kann­ten Blogs; wählst reprä­sen­ta­tive Text­pas­sa­gen aus; ergänzt die Vor­stel­lungs­runde um zusätz­li­che inter­es­sante Links: Das klingt nach einer Menge Arbeit. Wie läuft denn ein sol­cher Pro­zess ganz prak­tisch ab? Wie­viele Web­logs musst du lesen, um das leis­ten zu kön­nen? Und - fin­dest du über­haupt noch die Zeit, Sport­blogs mit Genuss zu lesen?

Da steckt tat­säch­lich eine Menge Arbeit dahin­ter. Stand heute habe ich rund 500-600 Sport­blogs in mei­nem Feed-Reader, wobei ich anders als noch vor einem Jahr nun nicht mehr gezielt nach neuen Blogs suche. Durch mein Stu­dium (u.a. Ger­ma­nis­tik) bin ich recht gut im Quer­le­sen, trotz­dem hat eine Blog­schau Mini­mum vier bis fünf Stun­den gedau­ert. Die ers­ten zwei Jahre habe ich mir immer noch einen gan­zen Tag Zeit für die Blog­schau »gegönnt«, spä­ter war das lei­der ein­fach nicht mehr mach­bar. Tat­säch­lich hat der Genuss am Lesen durch diese wöchent­li­che Tor­tur sehr gelit­ten. Eine Zeit lang habe ich nicht ein­mal mei­nen per­sön­li­chen Favoriten-Ordner mit rund 100 Blogs unter der Woche geöff­net. Der Zwang, gute Blog­bei­träge sofort zu spei­chern und Pas­sa­gen zu extra­hie­ren hat mir ein biss­chen den Spaß ver­dor­ben. Im Grunde das­selbe Pro­blem, das viele Germanistik-Studenten auch haben: Wenn Lesen zu Arbeit wird, fehlt manch­mal der Antrieb. Aber letzt­lich ist das Jam­mern auf hohem Niveau.

Ein For­mat, das du selbst ent­wi­ckelt und über Jahre gepflegt hast, der wach­sende Auf­wand, die Belas­tung für das All­täg­li­che, jetzt ziehst du die Reiß­leine: Es klingt ein biss­chen nach einer Lie­bes­ge­schichte mit unglück­li­chem Aus­gang. Wie kam es zu dem Ent­schluss, die Blog­schau ein­zu­stel­len - ist deine Ent­schei­dung redak­ti­ons­in­ter­nem Druck geschul­det oder allein der (ver­ständ­li­chen) Erschöp­fung? Bei­nahe 600 Sport­blogs, da würde mich das Quer­le­sen schon nach ein paar Tagen über­for­dern …

Nein, aus der Redak­tion gab es kei­ner­lei Druck. Die Ent­schei­dung lag allein bei mir. Was zum Ein­stel­len der Blog­schau geführt hat, kann ver­mut­lich auf eine kurze For­mel redu­ziert wer­den: Der Auf­wand stand irgend­wann in kei­nem Ver­hält­nis mehr zum Ertrag. Und hier spre­che ich nicht von Klicks, son­dern vor allem von Auf­merk­sam­keit für die Blo­go­sphäre. Ich hatte den Ein­druck, dass trotz der pro­mi­nen­ten Bühne immer weni­ger Leser tat­säch­lich in die Blo­go­sphäre aus­schwärm­ten, das heißt die ange­ris­se­nen Arti­kel auch in den Blogs kom­plett lasen. Viel­leicht gewöhnt sich der User zu sehr an den Ser­vice, den Kern eines Blo­g­ar­ti­kels über ein Zitat ser­viert zu bekom­men und muss durch »lücken­haf­tere« Zitate mehr zum Klick gezwun­gen wer­den. Das aller­dings hätte die Zitat­aus­wahl noch auf­wen­di­ger gemacht und dem Sinn der Blog­schau in Tei­len wider­spro­chen.

Dar­über hin­aus war die Blog­schau ja sicher auch als ein Instru­ment gedacht, Sport­blog­ger und Spox näher anein­an­der rücken zu las­sen. Sowieso: 11Freunde ver­weist auf Texte in Blogs, hat zum Sai­son­auf­takt ein Son­der­heft her­aus­ge­bracht, das auch Sport­blog­ger zu Worte kom­men ließ; Ihr bei Spox habt die letz­ten grö­ße­ren Gemein­schafts­ak­tio­nen der Sport­blog­ger - Aktion Libero und Wahl des Sport­blog­ger­bei­trags des Jah­res 2011 - aktiv und umfas­send unter­stützt; von kicker und Sport­bild kenne ich hin­ge­gen keine ver­gleich­ba­ren Ansätze. Und trotz der genannt posi­ti­ven Bei­spiele ist es, so nehme zumin­dest ich es wahr, auch nach Jah­ren nicht zu einer natür­li­che­ren Kul­tur der Koope­ra­tion gekom­men zwi­schen pro­fes­sio­nel­len Publi­ka­tio­nen und der eher pri­va­ten Blog­ge­rei. Ist das auch dein Ein­druck, und wenn ja - woran könnte das lie­gen? Sind Sport­blog­ger zu ego­zen­trisch? Oder schließt sich ein enges Mit­ein­an­der sogar aus, wenn Pro­fes­sio­na­li­tät und pri­va­ter Enthu­si­as­mus auf­ein­an­der­tref­fen? Mit der Blog­schau ent­fällt die stärkste Brü­cke zwi­schen den Wel­ten, zwi­schen pro­fes­sio­nel­lem Medium und der »freien« Blog­ge­rei. Ihr bei Spox hat­tet schon früh ein Sys­tem geschaf­fen, dass es Nut­zern ermög­licht, Texte zu publi­zie­ren: Mit die­ser Com­mu­nity wurde quasi eine Blo­go­sphäre inner­halb des euch eige­nen Sys­tems geschaf­fen. Stra­te­gisch ist das ein nach­voll­zieh­ba­rer Ansatz, Klicks und Sei­ten­auf­rufe blei­ben »in der Fami­lie«, ist das gleich­zei­tig auch ein Gegen­ent­wurf zur anschei­nend unmög­li­chen natür­li­chen Ver­net­zung?

Nein, ein Gegen­ent­wurf ist das nicht. Im Gegen­teil: Über myS­POX wur­den User zu Blog­gern, die bestimmt nie im Leben daran gedacht hät­ten, über ihre Lei­den­schaft zu schrei­ben. Was wir letzt­lich machen, ist die Ein­stiegs­hürde zu mini­mie­ren. Wer bei uns mit dem Blog­gen beginnt, bekommt Feed­back von erfah­re­nen Schrei­bern, frühe Erfolgs­er­leb­nisse mit vie­len Klicks und sehr kon­struk­tive Kri­tik der User. Sprich: Viele Pro­bleme, die andere Blog­ger beim Auf­bau eines Blogs haben, wer­den bei SPOX mini­miert bzw. sind gar nicht vor­han­den. MyS­POX ist des­halb eher eine Ergän­zung zur Blo­go­sphäre im Gesam­ten, was sich ja auch daran zeigt, dass viele SPOX-Power-Blogger inzwi­schen her­vor­ra­gend in der Blo­go­sphäre ver­netzt sind und zum Teil auch außer­halb von SPOX blog­gen. So wie einige Blog­ger auch schon bei SPOX geschrie­ben haben (siehe z.B. im Rah­men des »Gast­blog des Monats« in der FCB-Gruppe).

Die Ver­net­zung von Medien und Blo­go­sphäre ist ein ande­res Thema. Grund­sätz­lich stellt sich die Frage: Wie sollte diese Ver­net­zung in einer idea­len Welt eigent­lich aus­se­hen? Ich glaube, dass beide Sei­ten keine kon­krete Idee für eine Zusam­men­ar­beit haben oder haben wol­len. Inhalt­lich kön­nen die Sport­blog­ger die Nische der mei­nungs­star­ken und basis­na­hen Stü­cke beset­zen, die dem klas­si­schen Sport­jour­na­lis­ten nicht immer offen steht. Große Teile der Sport­blo­go­sphäre erschöp­fen sich aber in »klas­si­scher« Bericht­er­stat­tung mit Vor­schauen und Ana­ly­sen. Das ist auch voll­kom­men in Ord­nung und kann einen Mehr­wert bie­ten – aber eben kei­nen, der für andere sport­jour­na­lis­ti­sche Medien rele­vant ist. Ich glaube des­halb, dass eine frucht­bare Koope­ra­tion meist nur zu ein­zel­nen The­men sinn­voll (damit meine ich: für beide Sei­ten gewinn­brin­gend) funk­tio­niert. Auch weil die Skep­sis bei­der­seits noch sehr groß ist.

Das mit der Skep­sis nehme ich ähn­lich wahr, wenn ich auch kaum eine Idee davon habe, woran das lie­gen könnte: Was mich selbst betrifft, habe ich das Gefühl, dass klas­si­sche Medien das, was ich tue, kaum wahr­neh­men und wenn über­haupt, dann mit einem wohl­wol­len­den Lächeln beden­ken - ja, ganz schön, »für einen Laien« schwingt da immer ein biss­chen mit. Ein dif­fu­ses Miss­trauen, viel­leicht auch ein biss­chen Trotz, das fühle ich also auch, selbst wenn all das ganz anders sein sollte ... Nun also meine letzte und wich­tige Frage, und soweit Du selbst es rea­li­sie­ren und abse­hen kannst: Ist das mit der Blog­schau eine not­wen­dige Pause, oder ist es ein tat­säch­li­ches Ende?

Ich weiß nicht, ob man die­ses »dif­fuse Miss­trauen« so pau­scha­li­sie­ren kann und ins­ge­samt deine Ein­schät­zung der Wahr­neh­mung von Blog­gern rich­tig ist. Sicher­lich ist die Posi­tion gegen­über den Blog­gern von Jour­na­list zu Jour­na­list genauso ver­schie­den wie es inner­halb der Blo­go­sphäre auch gegen­über den Medien ist. Fest steht in mei­nen Augen aber: Am Ende setzt sich Qua­li­tät immer durch und erfährt auf lange Sicht meist auch die Wür­di­gung, die sie ver­dient hat. Wer gute Texte schreibt, braucht sich nicht zu ver­ste­cken. Das gilt für Jour­na­lis­ten wie Blog­ger glei­cher­ma­ßen. Klar ist aber auch: Da die Medien über eine selbst geschaf­fene Platt­form mit hoher Auf­merk­sam­keit ver­fü­gen, wird es ihnen immer leich­ter fal­len im Lärm der Foren, Blogs, Medien und Ver­eins­home­pages auf­zu­fal­len. Blog­ger müs­sen für ihre Aner­ken­nung här­ter kämp­fen. Da es den meis­ten Blog­gern aber voll­kom­men zurecht weni­ger um Aner­ken­nung als um die Sache geht, ist das weni­ger dra­ma­tisch als es sich viel­leicht anhört.

Um auf die Blog­schau zurück zu kom­men: Ich glaube nicht, dass die SPOX-Blogschau für immer begra­ben ist. Von mono­the­ma­ti­schen Blog­schauen bis zu selbst­stän­dig von den Blog­gern erstell­ten Zusam­men­fas­sun­gen ist viel mög­lich. Ich bin sicher, der Ein­fluss von Blogs auf die Medien wird lang­fris­tig stei­gen.

Vie­len Dank, Max-Jacob Ost!

Max-Jacob Ost fin­det man bei Spox, als @GNetzer bei Twit­ter und auf Face­book.

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Silvesterball

Das mit Düs­sel­dorf war eine schöne Über­ra­schung. Der Groß­va­ter hatte uns den Wagen gelie­hen, damit der Enkel mal wie­der ins Rhein­land konnte. Der Groß­teil der Fami­lie lebt dort, er ver­misst die Stadt, die Men­schen, das andere Leben noch immer. Auch mir geht das so, ver­mehrt auch geschul­det der schwie­ri­gen Lebens­si­tua­tion.

Der Mor­gen des letz­ten Tages war ver­reg­net, wir besuch­ten mei­nen Bru­der in Wers­ten. Seine Söhne sind sport­lich und ver­liebt in Knal­le­reien, ein Spa­zier­gang im Regen beglei­tet vom Kra­chen des umfang­rei­chen Arse­nals, Knal­ler in Pfüt­zen und Büschen, Papier­kör­ben, eine kleine Armee auf ihrem Weg über den Deich des rena­tu­ra­li­sier­ten Bachs, hin zur Uni­ver­si­tät. Der Große hatte einen Ball dabei, erin­nerte mich sofort an frü­her, als das meine Jog­gingstre­cke war, immer wie­der auch mit dem Ball am Fuß, das Füh­ren auto­ma­ti­sie­ren, ungleich anstren­gen­der als das ein­fach Ren­nen, die dau­er­hafte Kon­trolle frisst Kraft, und sie frisst Luft.

Das Ziel waren die Park­decks etwas abseits der Gebäude. Zwei Eta­gen, die obere getra­gen von Stel­zen, dar­un­ter alles um einige Grade dunk­ler, Graf­fitti an den Wän­den, ich kannte die­sen Ort, aber hatte das längst ver­ges­sen. Wir waren schon damals als Kin­der mit den Fahr­rä­dern hier unten gewe­sen, spä­ter mit Mofas, und um die Beton­säu­len gewe­delt, nun also wie­der und mit der nächs­ten Gene­ra­tion.

»Kannst du den Ball von hier dort hin­ten an die Wand schie­ßen, ohne den Boden oder die Decke zu berüh­ren?« Jens lächelte mich an, sie hat­ten das immer wie­der ver­sucht, es schien ein Ritual, der Ball wurde auf die Spitze eines der Rich­tungs­pfeile auf dem Boden gelegt, aus­rei­chend weit ent­fernt von der Wand, dass der Schuss zu einer Auf­gabe wurde.

Ich hatte lange nicht mehr vor einen Ball getre­ten, nun also am letz­ten Tag des Jah­res wie­der. Ich musste mich erst ein­mal eichen: Boden, Boden, Decke, Decken­lampe, Boden, nun sollte das gehen und tat­säch­lich ging es. »Gut«, meinte Jens. Er hatte mir das nicht zuge­traut, so schien es, und es freute mich, dass ich ihn über­ra­schen konnte, und mich. Neue Lust und neue Auf­ga­ben, den Ball links neben die Flucht von zwei Säu­len gelegt und dann der Ver­such, ihn rechts um die nächste Säule her­um­zir­keln, in den Raum zwi­schen die­ser und der fol­gen­den, erneut an die Wand; die­ser Tref­fer schon beim zwei­ten Ver­such, jetzt wäre Rasen schön, und ein Tor.

Auf dem Rück­weg haben wir einen wei­te­ren Ball geret­tet, er trieb unten im Bach und war irgend­je­man­dem auf dem Weg bis hier­hin ver­lo­ren gegan­gen, nun schmis­sen die Kin­der mit Kra­chern und Treib­holz nach ihm, um ihn an den erreich­ba­ren Rand zu drän­gen, eine Tape­zier­stan­gen­ver­län­ge­rung war dann die Lösung, sie hatte am Ufer gele­gen, es muss eine selt­same Geschichte sein, die sie an die­sen Ort gebracht hatte.

Auch das mit Würz­burg war eine schöne Über­ra­schung, denn die Dame, die so skep­tisch war, ob ich als »Hart­zvier­ler« auch in der Lage sein würde, den Flur vor die­ser ural­ten Woh­nung sau­ber zu hal­ten, hatte sich einen Ruck gege­ben, ein­tau­send hand­schrift­li­che Ergän­zun­gen zu ihrem Miet­ver­trag, aber tat­säch­lich auch diese letzte und wich­tigste, ihre Unter­schrift. Es sieht so aus, als würde ich mir kein Zelt kau­fen müs­sen. Und auch wenn da ganz viele Wenns sind und Abers, für den Moment fühlt es sich an, als könnte es auf­wärts gehen, nach die­sem ers­ten und wich­ti­gen Schritt.

Hier ist es stil­ler gewor­den und das wird auch noch ein biss­chen so blei­ben, denn die­ser Umbruch bin­det mich in der Rea­li­tät, für das Netz bleibt nur wenig Zeit und kaum Kraft. Sollte all das gelin­gen, wird das gewiss wie­der bes­ser wer­den, auf jeden Fall aber mehr.

Ich wün­sche ein gutes 2012!

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Uns, Uwe

Ich war schnel­ler am Ball, dann trat mir Uwe in die Beine. Das war nicht son­der­lich schlimm, aber selt­sam. »Was soll denn das?«, wir kann­ten uns aus einer Aus­wahl­mann­schaft und ich wusste, dass die­ser Tritt nicht im Eifer des Gefechts und schuld­los, son­dern sehr bewusst gesetzt war, und ich ver­stand es nicht. Nach dem Spiel spra­chen wir kurz, heute stan­den wir gegen­ein­an­der, da ist das eben so, wirk­lich kla­rer wurde mir nichts. Das ist bis heute so geblie­ben.

Eigent­lich müsste ich nun all die nach­voll­zieh­ba­ren Geschich­ten lis­ten, jene Bei­spiele der Schat­ten­sei­ten und Grau­zo­nen, die mich regel­mä­ßig rat­los zurück­las­sen, es geht um Spen­den und Ami­gos, Beste­chung und Betrug, Aggres­sion und Waf­fen­ge­walt, um Men­schen in Wirt­schaft, Poli­tik, Kir­che, Medien, aus allen Berei­chen der Gesell­schaft und eben auch des Sports, jene Men­schen, denen die Ahnung von dem, was rich­tig sein könnte, irgendwo auf dem Weg abhan­den gekom­men zu sein scheint. Ich müsste all diese Namen wie­der aus­kra­men aus jenen Berei­chen mei­nes Gedächt­nis­ses, die sich mei­ner Erin­ne­rung sper­ren, weil es mir eben nicht egal ist, und ich immer wie­der aufs Neue ent­täuscht bin, manch­mal wütend, immer aber des­il­lu­sio­niert und trau­rig. Ich ver­dränge diese Geschich­ten rela­tiv schnell, denn eine fort­lau­fende Beschäf­ti­gung damit ist viel zu anstren­gend, man kann noch so weit den­ken, eine schlüs­sige Erklä­rung bleibt uner­reich­bar, das frus­triert auf eine grund­le­gende Weise.

Das hat sich ein biss­chen geän­dert, seit ich Sejad Sali­ho­vić sah, wie er in ein und dem sel­ben Spiel ein ganz wun­der­vol­les Tor schoss, und sich nur Minu­ten spä­ter auf voll­kom­men absurde Weise nach einem Schub­ser zu Boden sin­ken ließ, die Hände im Schmerz vors Gesicht geris­sen. Sali­ho­vić ist nicht im Ansatz der Erste, in dem sich Genie und Wahn­sinn ver­ei­nen, und ob sol­ches Tun nun von der Hand Got­tes geführt wird oder einer ande­ren Instanz, ist voll­kom­men uner­heb­lich, und den­noch wol­len mir beide Sze­nen, Auf­stieg und Fall, nicht aus dem Kopf gehen, weil es nicht leicht ist, sie zusam­men zu den­ken, es ist die Dis­kre­panz, die mich ver­wirrt, und lang­sam begreife ich, woran das liegt: Diese bei­den Bil­der pas­sen nur dann nicht zusam­men, wenn man sie als nicht zusam­men­ge­hö­rig begreift.

Was Uwe also vor lan­ger Zeit nicht geschafft hat, das gelang Sali­ho­vić, zumin­dest glaube ich das, weil ich im Nach­den­ken über sein Spiel auf die ein­zig logi­sche Erklä­rung kam: Der Feh­ler liegt nicht bei ihm und allen ande­ren, er liegt nicht im Sys­tem oder den Men­schen, der Feh­ler liegt in mir, es ist meine roman­ti­sche Idea­li­sie­rung des guten Men­schen, des rich­ti­gen Spiels und Prin­zips. Ich habe schlicht ange­nom­men, dass es so etwas wie eine ver­nünf­tige Nor­ma­li­tät geben könnte, von der das Fal­sche und Fehl­ver­hal­ten vor allem Abwei­chun­gen sind, als wäre es so ein­fach … viel­leicht schon ein­fach, aber nicht so.

Son­dern so: All das ist nor­mal. Der Mensch ist nicht hei­lig, son­dern gelebte Rea­li­tät. Wir alle bewe­gen uns in einem wei­ten Rah­men an Mög­lich­kei­ten, und wir haben die freie Wahl von Hal­tung und Han­deln. Dass die­ser Rah­men immer wie­der und von allen mehr oder wenig aus­ge­nutzt wird, in unter­schied­li­chen Band­brei­ten und Inten­si­tä­ten ist vor allem: mensch­lich. Und meine innere Sehn­sucht nach dem Guten und Rich­ti­gen, nach der Ver­nunft und der Liebe, diese Sehn­sucht ist als eine Sehn­sucht ok, als das gedachte Kon­zept einer eigent­lich rich­ti­gen Rea­li­tät ist sie jedoch nicht nur unge­eig­net, son­dern unmensch­li­che Erwar­tungs­hal­tung und gelebte Gna­den­lo­sig­keit. Zum Jesus tau­gen wir alle nicht, und nicht zur Maria.

Sejad Sali­ho­vić ist also mein Spie­ler des Jah­res, Tor des Jah­res auf alle denk­ba­ren Wei­sen, und bemer­kens­wert ist ein­zig die zeit­li­che Nähe in der er das Spek­trum sei­nes Seins aus­ge­nutzt hat, die ihm eigene Band­breite. Es ist nicht der eine Sali­ho­vić der Rich­tige, oder der andere, son­dern all das ist er, und nur wenn ich das und ihn als zusam­meng­hö­rig begreife und nicht weg­denke, was mir nicht passt, wird es ver­ständ­li­cher: Er ist eben so, wir sind so, und ich.

Ich werde ver­su­chen, das als Rea­li­tät anzu­neh­men, auf ganz unzy­ni­sche Weise. Viel­leicht tut so ein Fuß­tritt wie der von Jones dann nicht mehr ganz so weh, viel­leicht ist das Gerede der Prä­si­den­ten nicht mehr ganz so uner­träg­lich, kann sein, ich werde es sehen.

Fro­hes Fest!

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