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Oben ohne

For­tuna Düs­sel­dorf 1895, Heim­tri­kot – nicht 2012 oder 13, nicht irgend­wann.

Diese vie­len neuen Natio­nal­tri­kots, wie sie auf Tum­blr und anderswo zu sehen sind, die sind ja auch des­halb so schön, weil sie nicht Hin­ter­grund für Spon­so­ren­bot­schaf­ten sein müs­sen. Man kann sich vor­stel­len, wel­che Qual es hin­ge­gen für Desi­gner sein muss, diese unge­woll­ten Haupt­dar­stel­ler auf den Tri­kots für den All­tag der Ligen ein­kal­ku­lie­ren zu müs­sen.

Der erste, der sich ein Herz nähme und Ver­zicht übte, es viel­leicht bei einem klei­nen Hin­weis beließe und den­noch das große Geld gäbe, die­ser Spon­sor hätte meine volle Sym­pa­thie.

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»Am Ende setzt sich Qualität immer durch«
Interview: Max-Jacob Ost

Foto: Copy­right © 2012 Max-Jacob Ost

Max-Jacob Ost hat Ger­ma­nis­tik, BWL und Poli­tik stu­diert, arbei­tete als freier Jour­na­list für 11Freunde und wech­selte spä­ter zu SPOX um dort eine User-Redaktion auf­zu­bauen, Mitte 2010 wurde er Lei­ter der Com­mu­nity und ver­ant­wort­lich für Social Media. Eine sei­ner Moti­va­tio­nen ist, die Dis­tanz zwi­schen kon­ven­tio­nel­len Medien und dem freien Netz zu ver­rin­gern, Inter­ak­tion zu för­dern, die Gren­zen zwi­schen Aktion und Rezep­tion zu ver­wi­schen, seine Vor­stel­lung von einem koope­ra­ti­ven Umgang wird in all dem deut­lich. Die »Blog­schau« war lange Aus­druck die­ser Ein­stel­lung, zuerst bei 11Freunde und spä­ter bei SPOX hat er hier wöchent­lich die aus sei­ner Sicht auf­fäl­ligs­ten Texte aus der Szene der Sport­blogs vor­ge­stellt, Neu­ent­de­ckun­gen prä­sen­tiert, eine Platt­form geschaf­fen für »das Gute und Inter­es­sante da drau­ßen«. Jetzt ist Schluss, die Blog­schau wird ein­ge­stellt. Und das hat Gründe.

frei­tags­spiel: Die Blog­schau gab es schon bei 11Freunde, dei­ner ers­ten Sta­tion im Sport­jour­na­lis­mus. Wie ist die­ses For­mat ent­stan­den?

Max-Jacob Ost: Ich habe irgend­wann im Jahr 2007 die Sport­blo­go­sphäre für mich ent­deckt und war sehr posi­tiv über­rascht von ihrer Viel­falt und Qua­li­tät. Gleich­zei­tig bekam ich mit, dass auch andere Jour­na­lis­ten in den Blogs lasen, sich teil­weise auch von den dort gesetz­ten The­men inspi­rie­ren lie­ßen. Doch trotz­dem wurde den Blog­gern nir­gendwo außer­halb ihres Kos­mos eine Platt­form gebo­ten. Das hat mich ein biss­chen geär­gert und gleich­zei­tig ange­spornt, selbst ein For­mat aus­zu­pro­bie­ren. Die Form der Blog­schau musste sich dann im Laufe der Zeit noch fin­den. Das Ziel war aber immer das­selbe: Jenen Lesern die Blo­go­sphäre näher zu brin­gen, die sie noch nicht kann­ten oder zu schät­zen wuss­ten.

Das scheint gelun­gen zu sein, zumin­dest wenn ich die Aus­wir­kun­gen auf mein Blog betrachte – mit jeder Erwäh­nung stei­gen auch die Zugriffs­zah­len sprung­haft an . Wöchent­lich stellst du eine Aus­wahl jener Texte zusam­men, die dir bemer­kens­wert erschei­nen, die »tren­ding Topics« ahnend, aber immer wie­der auch mit inter­es­san­ten, bis­her unbe­kann­ten Blogs; wählst reprä­sen­ta­tive Text­pas­sa­gen aus; ergänzt die Vor­stel­lungs­runde um zusätz­li­che inter­es­sante Links: Das klingt nach einer Menge Arbeit. Wie läuft denn ein sol­cher Pro­zess ganz prak­tisch ab? Wie­viele Web­logs musst du lesen, um das leis­ten zu kön­nen? Und - fin­dest du über­haupt noch die Zeit, Sport­blogs mit Genuss zu lesen?

Da steckt tat­säch­lich eine Menge Arbeit dahin­ter. Stand heute habe ich rund 500-600 Sport­blogs in mei­nem Feed-Reader, wobei ich anders als noch vor einem Jahr nun nicht mehr gezielt nach neuen Blogs suche. Durch mein Stu­dium (u.a. Ger­ma­nis­tik) bin ich recht gut im Quer­le­sen, trotz­dem hat eine Blog­schau Mini­mum vier bis fünf Stun­den gedau­ert. Die ers­ten zwei Jahre habe ich mir immer noch einen gan­zen Tag Zeit für die Blog­schau »gegönnt«, spä­ter war das lei­der ein­fach nicht mehr mach­bar. Tat­säch­lich hat der Genuss am Lesen durch diese wöchent­li­che Tor­tur sehr gelit­ten. Eine Zeit lang habe ich nicht ein­mal mei­nen per­sön­li­chen Favoriten-Ordner mit rund 100 Blogs unter der Woche geöff­net. Der Zwang, gute Blog­bei­träge sofort zu spei­chern und Pas­sa­gen zu extra­hie­ren hat mir ein biss­chen den Spaß ver­dor­ben. Im Grunde das­selbe Pro­blem, das viele Germanistik-Studenten auch haben: Wenn Lesen zu Arbeit wird, fehlt manch­mal der Antrieb. Aber letzt­lich ist das Jam­mern auf hohem Niveau.

Ein For­mat, das du selbst ent­wi­ckelt und über Jahre gepflegt hast, der wach­sende Auf­wand, die Belas­tung für das All­täg­li­che, jetzt ziehst du die Reiß­leine: Es klingt ein biss­chen nach einer Lie­bes­ge­schichte mit unglück­li­chem Aus­gang. Wie kam es zu dem Ent­schluss, die Blog­schau ein­zu­stel­len - ist deine Ent­schei­dung redak­ti­ons­in­ter­nem Druck geschul­det oder allein der (ver­ständ­li­chen) Erschöp­fung? Bei­nahe 600 Sport­blogs, da würde mich das Quer­le­sen schon nach ein paar Tagen über­for­dern …

Nein, aus der Redak­tion gab es kei­ner­lei Druck. Die Ent­schei­dung lag allein bei mir. Was zum Ein­stel­len der Blog­schau geführt hat, kann ver­mut­lich auf eine kurze For­mel redu­ziert wer­den: Der Auf­wand stand irgend­wann in kei­nem Ver­hält­nis mehr zum Ertrag. Und hier spre­che ich nicht von Klicks, son­dern vor allem von Auf­merk­sam­keit für die Blo­go­sphäre. Ich hatte den Ein­druck, dass trotz der pro­mi­nen­ten Bühne immer weni­ger Leser tat­säch­lich in die Blo­go­sphäre aus­schwärm­ten, das heißt die ange­ris­se­nen Arti­kel auch in den Blogs kom­plett lasen. Viel­leicht gewöhnt sich der User zu sehr an den Ser­vice, den Kern eines Blo­g­ar­ti­kels über ein Zitat ser­viert zu bekom­men und muss durch »lücken­haf­tere« Zitate mehr zum Klick gezwun­gen wer­den. Das aller­dings hätte die Zitat­aus­wahl noch auf­wen­di­ger gemacht und dem Sinn der Blog­schau in Tei­len wider­spro­chen.

Dar­über hin­aus war die Blog­schau ja sicher auch als ein Instru­ment gedacht, Sport­blog­ger und Spox näher anein­an­der rücken zu las­sen. Sowieso: 11Freunde ver­weist auf Texte in Blogs, hat zum Sai­son­auf­takt ein Son­der­heft her­aus­ge­bracht, das auch Sport­blog­ger zu Worte kom­men ließ; Ihr bei Spox habt die letz­ten grö­ße­ren Gemein­schafts­ak­tio­nen der Sport­blog­ger - Aktion Libero und Wahl des Sport­blog­ger­bei­trags des Jah­res 2011 - aktiv und umfas­send unter­stützt; von kicker und Sport­bild kenne ich hin­ge­gen keine ver­gleich­ba­ren Ansätze. Und trotz der genannt posi­ti­ven Bei­spiele ist es, so nehme zumin­dest ich es wahr, auch nach Jah­ren nicht zu einer natür­li­che­ren Kul­tur der Koope­ra­tion gekom­men zwi­schen pro­fes­sio­nel­len Publi­ka­tio­nen und der eher pri­va­ten Blog­ge­rei. Ist das auch dein Ein­druck, und wenn ja - woran könnte das lie­gen? Sind Sport­blog­ger zu ego­zen­trisch? Oder schließt sich ein enges Mit­ein­an­der sogar aus, wenn Pro­fes­sio­na­li­tät und pri­va­ter Enthu­si­as­mus auf­ein­an­der­tref­fen? Mit der Blog­schau ent­fällt die stärkste Brü­cke zwi­schen den Wel­ten, zwi­schen pro­fes­sio­nel­lem Medium und der »freien« Blog­ge­rei. Ihr bei Spox hat­tet schon früh ein Sys­tem geschaf­fen, dass es Nut­zern ermög­licht, Texte zu publi­zie­ren: Mit die­ser Com­mu­nity wurde quasi eine Blo­go­sphäre inner­halb des euch eige­nen Sys­tems geschaf­fen. Stra­te­gisch ist das ein nach­voll­zieh­ba­rer Ansatz, Klicks und Sei­ten­auf­rufe blei­ben »in der Fami­lie«, ist das gleich­zei­tig auch ein Gegen­ent­wurf zur anschei­nend unmög­li­chen natür­li­chen Ver­net­zung?

Nein, ein Gegen­ent­wurf ist das nicht. Im Gegen­teil: Über myS­POX wur­den User zu Blog­gern, die bestimmt nie im Leben daran gedacht hät­ten, über ihre Lei­den­schaft zu schrei­ben. Was wir letzt­lich machen, ist die Ein­stiegs­hürde zu mini­mie­ren. Wer bei uns mit dem Blog­gen beginnt, bekommt Feed­back von erfah­re­nen Schrei­bern, frühe Erfolgs­er­leb­nisse mit vie­len Klicks und sehr kon­struk­tive Kri­tik der User. Sprich: Viele Pro­bleme, die andere Blog­ger beim Auf­bau eines Blogs haben, wer­den bei SPOX mini­miert bzw. sind gar nicht vor­han­den. MyS­POX ist des­halb eher eine Ergän­zung zur Blo­go­sphäre im Gesam­ten, was sich ja auch daran zeigt, dass viele SPOX-Power-Blogger inzwi­schen her­vor­ra­gend in der Blo­go­sphäre ver­netzt sind und zum Teil auch außer­halb von SPOX blog­gen. So wie einige Blog­ger auch schon bei SPOX geschrie­ben haben (siehe z.B. im Rah­men des »Gast­blog des Monats« in der FCB-Gruppe).

Die Ver­net­zung von Medien und Blo­go­sphäre ist ein ande­res Thema. Grund­sätz­lich stellt sich die Frage: Wie sollte diese Ver­net­zung in einer idea­len Welt eigent­lich aus­se­hen? Ich glaube, dass beide Sei­ten keine kon­krete Idee für eine Zusam­men­ar­beit haben oder haben wol­len. Inhalt­lich kön­nen die Sport­blog­ger die Nische der mei­nungs­star­ken und basis­na­hen Stü­cke beset­zen, die dem klas­si­schen Sport­jour­na­lis­ten nicht immer offen steht. Große Teile der Sport­blo­go­sphäre erschöp­fen sich aber in »klas­si­scher« Bericht­er­stat­tung mit Vor­schauen und Ana­ly­sen. Das ist auch voll­kom­men in Ord­nung und kann einen Mehr­wert bie­ten – aber eben kei­nen, der für andere sport­jour­na­lis­ti­sche Medien rele­vant ist. Ich glaube des­halb, dass eine frucht­bare Koope­ra­tion meist nur zu ein­zel­nen The­men sinn­voll (damit meine ich: für beide Sei­ten gewinn­brin­gend) funk­tio­niert. Auch weil die Skep­sis bei­der­seits noch sehr groß ist.

Das mit der Skep­sis nehme ich ähnlich wahr, wenn ich auch kaum eine Idee davon habe, woran das lie­gen könnte: Was mich selbst betrifft, habe ich das Gefühl, dass klas­si­sche Medien das, was ich tue, kaum wahr­neh­men und wenn über­haupt, dann mit einem wohl­wol­len­den Lächeln beden­ken - ja, ganz schön, »für einen Laien« schwingt da immer ein biss­chen mit. Ein dif­fu­ses Miss­trauen, viel­leicht auch ein biss­chen Trotz, das fühle ich also auch, selbst wenn all das ganz anders sein sollte ... Nun also meine letzte und wich­tige Frage, und soweit Du selbst es rea­li­sie­ren und abse­hen kannst: Ist das mit der Blog­schau eine not­wen­dige Pause, oder ist es ein tat­säch­li­ches Ende?

Ich weiß nicht, ob man die­ses »dif­fuse Miss­trauen« so pau­scha­li­sie­ren kann und ins­ge­samt deine Ein­schät­zung der Wahr­neh­mung von Blog­gern rich­tig ist. Sicher­lich ist die Posi­tion gegen­über den Blog­gern von Jour­na­list zu Jour­na­list genauso ver­schie­den wie es inner­halb der Blo­go­sphäre auch gegen­über den Medien ist. Fest steht in mei­nen Augen aber: Am Ende setzt sich Qua­li­tät immer durch und erfährt auf lange Sicht meist auch die Wür­di­gung, die sie ver­dient hat. Wer gute Texte schreibt, braucht sich nicht zu ver­ste­cken. Das gilt für Jour­na­lis­ten wie Blog­ger glei­cher­ma­ßen. Klar ist aber auch: Da die Medien über eine selbst geschaf­fene Platt­form mit hoher Auf­merk­sam­keit ver­fü­gen, wird es ihnen immer leich­ter fal­len im Lärm der Foren, Blogs, Medien und Ver­eins­home­pages auf­zu­fal­len. Blog­ger müs­sen für ihre Aner­ken­nung här­ter kämp­fen. Da es den meis­ten Blog­gern aber voll­kom­men zurecht weni­ger um Aner­ken­nung als um die Sache geht, ist das weni­ger dra­ma­tisch als es sich viel­leicht anhört.

Um auf die Blog­schau zurück zu kom­men: Ich glaube nicht, dass die SPOX-Blogschau für immer begra­ben ist. Von mono­the­ma­ti­schen Blog­schauen bis zu selbst­stän­dig von den Blog­gern erstell­ten Zusam­men­fas­sun­gen ist viel mög­lich. Ich bin sicher, der Ein­fluss von Blogs auf die Medien wird lang­fris­tig stei­gen.

Vie­len Dank, Max-Jacob Ost!

Max-Jacob Ost fin­det man bei Spox, als @GNetzer bei Twit­ter und auf Face­book.

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Silvesterball

Das mit Düs­sel­dorf war eine schöne Über­ra­schung. Der Groß­va­ter hatte uns den Wagen gelie­hen, damit der Enkel mal wie­der ins Rhein­land konnte. Der Groß­teil der Fami­lie lebt dort, er ver­misst die Stadt, die Men­schen, das andere Leben noch immer. Auch mir geht das so, ver­mehrt auch geschul­det der schwie­ri­gen Lebens­si­tua­tion.

Der Mor­gen des letz­ten Tages war ver­reg­net, wir besuch­ten mei­nen Bru­der in Wers­ten. Seine Söhne sind sport­lich und ver­liebt in Knal­le­reien, ein Spa­zier­gang im Regen beglei­tet vom Kra­chen des umfang­rei­chen Arse­nals, Knal­ler in Pfüt­zen und Büschen, Papier­kör­ben, eine kleine Armee auf ihrem Weg über den Deich des rena­tu­ra­li­sier­ten Bachs, hin zur Uni­ver­si­tät. Der Große hatte einen Ball dabei, erin­nerte mich sofort an frü­her, als das meine Jog­gingstre­cke war, immer wie­der auch mit dem Ball am Fuß, das Füh­ren auto­ma­ti­sie­ren, ungleich anstren­gen­der als das ein­fach Ren­nen, die dau­er­hafte Kon­trolle frisst Kraft, und sie frisst Luft.

Das Ziel waren die Park­decks etwas abseits der Gebäude. Zwei Eta­gen, die obere getra­gen von Stel­zen, dar­un­ter alles um einige Grade dunk­ler, Graf­fitti an den Wän­den, ich kannte die­sen Ort, aber hatte das längst ver­ges­sen. Wir waren schon damals als Kin­der mit den Fahr­rä­dern hier unten gewe­sen, spä­ter mit Mofas, und um die Beton­säu­len gewe­delt, nun also wie­der und mit der nächs­ten Gene­ra­tion.

»Kannst du den Ball von hier dort hin­ten an die Wand schie­ßen, ohne den Boden oder die Decke zu berüh­ren?« Jens lächelte mich an, sie hat­ten das immer wie­der ver­sucht, es schien ein Ritual, der Ball wurde auf die Spitze eines der Rich­tungs­pfeile auf dem Boden gelegt, aus­rei­chend weit ent­fernt von der Wand, dass der Schuss zu einer Auf­gabe wurde.

Ich hatte lange nicht mehr vor einen Ball getre­ten, nun also am letz­ten Tag des Jah­res wie­der. Ich musste mich erst ein­mal eichen: Boden, Boden, Decke, Decken­lampe, Boden, nun sollte das gehen und tat­säch­lich ging es. »Gut«, meinte Jens. Er hatte mir das nicht zuge­traut, so schien es, und es freute mich, dass ich ihn über­ra­schen konnte, und mich. Neue Lust und neue Auf­ga­ben, den Ball links neben die Flucht von zwei Säu­len gelegt und dann der Ver­such, ihn rechts um die nächste Säule her­um­zir­keln, in den Raum zwi­schen die­ser und der fol­gen­den, erneut an die Wand; die­ser Tref­fer schon beim zwei­ten Ver­such, jetzt wäre Rasen schön, und ein Tor.

Auf dem Rück­weg haben wir einen wei­te­ren Ball geret­tet, er trieb unten im Bach und war irgend­je­man­dem auf dem Weg bis hier­hin ver­lo­ren gegan­gen, nun schmis­sen die Kin­der mit Kra­chern und Treib­holz nach ihm, um ihn an den erreich­ba­ren Rand zu drän­gen, eine Tape­zier­stan­gen­ver­län­ge­rung war dann die Lösung, sie hatte am Ufer gele­gen, es muss eine selt­same Geschichte sein, die sie an die­sen Ort gebracht hatte.

Auch das mit Würz­burg war eine schöne Über­ra­schung, denn die Dame, die so skep­tisch war, ob ich als »Hart­zvier­ler« auch in der Lage sein würde, den Flur vor die­ser ural­ten Woh­nung sau­ber zu hal­ten, hatte sich einen Ruck gege­ben, ein­tau­send hand­schrift­li­che Ergän­zun­gen zu ihrem Miet­ver­trag, aber tat­säch­lich auch diese letzte und wich­tigste, ihre Unter­schrift. Es sieht so aus, als würde ich mir kein Zelt kau­fen müs­sen. Und auch wenn da ganz viele Wenns sind und Abers, für den Moment fühlt es sich an, als könnte es auf­wärts gehen, nach die­sem ers­ten und wich­ti­gen Schritt.

Hier ist es stil­ler gewor­den und das wird auch noch ein biss­chen so blei­ben, denn die­ser Umbruch bin­det mich in der Rea­li­tät, für das Netz bleibt nur wenig Zeit und kaum Kraft. Sollte all das gelin­gen, wird das gewiss wie­der bes­ser wer­den, auf jeden Fall aber mehr.

Ich wün­sche ein gutes 2012!

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Uns, Uwe

Ich war schnel­ler am Ball, dann trat mir Uwe in die Beine. Das war nicht son­der­lich schlimm, aber selt­sam. »Was soll denn das?«, wir kann­ten uns aus einer Aus­wahl­mann­schaft und ich wusste, dass die­ser Tritt nicht im Eifer des Gefechts und schuld­los, son­dern sehr bewusst gesetzt war, und ich ver­stand es nicht. Nach dem Spiel spra­chen wir kurz, heute stan­den wir gegen­ein­an­der, da ist das eben so, wirk­lich kla­rer wurde mir nichts. Das ist bis heute so geblie­ben.

Eigent­lich müsste ich nun all die nach­voll­zieh­ba­ren Geschich­ten lis­ten, jene Bei­spiele der Schat­ten­sei­ten und Grau­zo­nen, die mich regel­mä­ßig rat­los zurück­las­sen, es geht um Spen­den und Ami­gos, Beste­chung und Betrug, Aggres­sion und Waf­fen­ge­walt, um Men­schen in Wirt­schaft, Poli­tik, Kir­che, Medien, aus allen Berei­chen der Gesell­schaft und eben auch des Sports, jene Men­schen, denen die Ahnung von dem, was rich­tig sein könnte, irgendwo auf dem Weg abhan­den gekom­men zu sein scheint. Ich müsste all diese Namen wie­der aus­kra­men aus jenen Berei­chen mei­nes Gedächt­nis­ses, die sich mei­ner Erin­ne­rung sper­ren, weil es mir eben nicht egal ist, und ich immer wie­der aufs Neue ent­täuscht bin, manch­mal wütend, immer aber des­il­lu­sio­niert und trau­rig. Ich ver­dränge diese Geschich­ten rela­tiv schnell, denn eine fort­lau­fende Beschäf­ti­gung damit ist viel zu anstren­gend, man kann noch so weit den­ken, eine schlüs­sige Erklä­rung bleibt uner­reich­bar, das frus­triert auf eine grund­le­gende Weise.

Das hat sich ein biss­chen geän­dert, seit ich Sejad Sali­ho­vić sah, wie er in ein und dem sel­ben Spiel ein ganz wun­der­vol­les Tor schoss, und sich nur Minu­ten spä­ter auf voll­kom­men absurde Weise nach einem Schub­ser zu Boden sin­ken ließ, die Hände im Schmerz vors Gesicht geris­sen. Sali­ho­vić ist nicht im Ansatz der Erste, in dem sich Genie und Wahn­sinn ver­ei­nen, und ob sol­ches Tun nun von der Hand Got­tes geführt wird oder einer ande­ren Instanz, ist voll­kom­men uner­heb­lich, und den­noch wol­len mir beide Sze­nen, Auf­stieg und Fall, nicht aus dem Kopf gehen, weil es nicht leicht ist, sie zusam­men zu den­ken, es ist die Dis­kre­panz, die mich ver­wirrt, und lang­sam begreife ich, woran das liegt: Diese bei­den Bil­der pas­sen nur dann nicht zusam­men, wenn man sie als nicht zusam­men­ge­hö­rig begreift.

Was Uwe also vor lan­ger Zeit nicht geschafft hat, das gelang Sali­ho­vić, zumin­dest glaube ich das, weil ich im Nach­den­ken über sein Spiel auf die ein­zig logi­sche Erklä­rung kam: Der Feh­ler liegt nicht bei ihm und allen ande­ren, er liegt nicht im Sys­tem oder den Men­schen, der Feh­ler liegt in mir, es ist meine roman­ti­sche Idea­li­sie­rung des guten Men­schen, des rich­ti­gen Spiels und Prin­zips. Ich habe schlicht ange­nom­men, dass es so etwas wie eine ver­nünf­tige Nor­ma­li­tät geben könnte, von der das Fal­sche und Fehl­ver­hal­ten vor allem Abwei­chun­gen sind, als wäre es so ein­fach … viel­leicht schon ein­fach, aber nicht so.

Son­dern so: All das ist nor­mal. Der Mensch ist nicht hei­lig, son­dern gelebte Rea­li­tät. Wir alle bewe­gen uns in einem wei­ten Rah­men an Mög­lich­kei­ten, und wir haben die freie Wahl von Hal­tung und Han­deln. Dass die­ser Rah­men immer wie­der und von allen mehr oder wenig aus­ge­nutzt wird, in unter­schied­li­chen Band­brei­ten und Inten­si­tä­ten ist vor allem: mensch­lich. Und meine innere Sehn­sucht nach dem Guten und Rich­ti­gen, nach der Ver­nunft und der Liebe, diese Sehn­sucht ist als eine Sehn­sucht ok, als das gedachte Kon­zept einer eigent­lich rich­ti­gen Rea­li­tät ist sie jedoch nicht nur unge­eig­net, son­dern unmensch­li­che Erwar­tungs­hal­tung und gelebte Gna­den­lo­sig­keit. Zum Jesus tau­gen wir alle nicht, und nicht zur Maria.

Sejad Sali­ho­vić ist also mein Spie­ler des Jah­res, Tor des Jah­res auf alle denk­ba­ren Wei­sen, und bemer­kens­wert ist ein­zig die zeit­li­che Nähe in der er das Spek­trum sei­nes Seins aus­ge­nutzt hat, die ihm eigene Band­breite. Es ist nicht der eine Sali­ho­vić der Rich­tige, oder der andere, son­dern all das ist er, und nur wenn ich das und ihn als zusam­meng­hö­rig begreife und nicht weg­denke, was mir nicht passt, wird es ver­ständ­li­cher: Er ist eben so, wir sind so, und ich.

Ich werde ver­su­chen, das als Rea­li­tät anzu­neh­men, auf ganz unzy­ni­sche Weise. Viel­leicht tut so ein Fuß­tritt wie der von Jones dann nicht mehr ganz so weh, viel­leicht ist das Gerede der Prä­si­den­ten nicht mehr ganz so uner­träg­lich, kann sein, ich werde es sehen.

Fro­hes Fest!

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Freundschaftsdienst

Das letzte Mal, dass ich Michael Preetz per­sön­lich gese­hen habe, ist schon etwas län­ger her. Damals spielte ich bei Turu, nach dem Trai­ning musste man sich Stein­chen roter Asche aus Schürf­wun­den krat­zen, die Bälle waren alt und schwer, die Klei­dung dys­funk­tio­nal, die Zei­ten den­noch nicht bes­ser. Sein Vater hatte uns trai­niert, ein enga­gier­ter Mann mit viel Sach­ver­stand und gro­ßem Selbst­be­wusst­sein, das er gerne mit uns teilte. Vater Preetz besaß die Fähig­keit, auf gesunde Weise zu moti­vie­ren, und es wun­dert mich nicht, dass sein Sohn spä­ter eine beacht­li­che Kar­riere als Spie­ler machte. Michael war deut­lich jün­ger als wir und spielte für einen ande­ren Ver­ein, aber einige Male trai­nierte er den­noch bei uns mit. Er konnte locker mit­hal­ten, ein biss­chen ärgerte uns das, aber ver­wun­dert waren wir nicht. Ich habe Vater und Sohn als freund­li­che, ehr­li­che und sehr natür­li­che Men­schen ken­nen­ge­lernt. Darin kann man sich täu­schen, schon klar, und den­noch will es mir schlicht nicht gelin­gen, Michael Preetz als einen Lüg­ner zu sehen.

Das letzte Mal, dass ich Mar­kus Bab­bel sah, war bei einem Pokal­spiel gegen Fürth, nur wenige Dinge sind mir aus die­sem Spiel in Erin­ne­rung geblie­ben. Die Ent­täu­schung über Hleb bei­spiels­weise, der in nur sehr weni­gen Sze­nen an den Men­schen erin­nerte, den ich aus den Fern­seh­über­tra­gun­gen gro­ßer Spiele kannte; Hitzl­sper­ger, der auf beklem­mende Weise schlecht spielte, wie erfro­ren, und in des­sen Hal­tung, Bewe­gung und Sein zu jeder Sekunde vor allem Resi­gna­tion spür­bar war, viel­leicht nicht ein­mal auf die­ses Spiel bezo­gen, son­dern eine viel grund­le­gen­dere, per­sön­li­che. Und ich erin­nere mich an eben die­sen Bab­bel in sei­nem schwar­zen, halb­lan­gen Man­tel, auch er wirkte selt­sam teil­nahms­los, und auch ohne dass ich ein Zuschauer gewe­sen wäre, der all das mit einer beson­de­ren Moti­va­tion betrach­tet hätte, so machte der Mann mich zuneh­mend wütend, ich kann das kaum erklä­ren, aber ich nahm vor allem war, dass er belei­digt schien, und eben das tat, was Kin­der tun, wenn sie so füh­len: Er zog sich zurück. Und er ließ die Ande­ren allein, im Stich, so kam es mir vor. Ob es tat­säch­lich so war, kann ich nicht sagen. Nur für mich fühlte es sich so an, mit einem Bier in der Hand, lecker, und ansons­ten ohne jedes siche­res Wis­sen.

An Jogi Löw musste ich den­ken, und an Bal­lack, als ich von den selt­sa­men Vor­gän­gen in Ber­lin hörte, dies­mal Preetz und Bab­bel und also wie­der zwei, von denen einer lügt. Wenn schon nicht offen und ein­deu­tig und gegen­über der Öffent­lich­keit, dann zumin­dest aber sich selbst gegen­über, indem er ver­drängt oder rela­ti­viert, was er im Sinne der Wahr­heit viel bes­ser erin­nern sollte. Ich weiß nicht – sowieso wis­sen in sol­chen Situa­tio­nen nur die Betei­lig­ten wirk­lich, was ist und was war – und ich habe den­noch ein scha­les Gefühl, denn ich glaube, dass in die­ser Ver­wir­rung unter­schied­li­cher Bot­schaf­ten ein drit­ter Mann das größte Pro­blem hat: Für Horst Heldt kommt die Ber­li­ner Tren­nung zur Unzeit, gerade jetzt, wo Huub Ste­vens die Mann­schaft zu neuen Erfol­gen führt, da ist es kaum denk­bar, dass sein Freund Bab­bel Nach­fol­ger wer­den könnte, es gibt schlicht kei­nen Anlass für einen Tausch. Gründe, das schon, aber ohne den pas­sen­den Anlass wird ein Wech­sel kaum zu ver­ar­gu­men­tie­ren sein.

Ste­vens konnte zuletzt aus pri­va­ten Grün­den nicht jedes Spiel vor Ort beglei­ten. Wenn das nun der Grund dafür wer­den sollte, dass er zurück­tritt, in bei­der­sei­ti­gem Ein­ver­neh­men, mit Abfin­dung und dem Ver­ständ­nis aller, und den Weg frei macht für Freund Bab­bel, dann würde mich das nicht über­ra­schen. Aber es würde mir nicht gefal­len. Um ehr­lich zu sein: Bei dem Gedan­ken an eine sol­che Kon­stel­la­tion habe ich sogar ein mul­mi­ges Gefühl. Man könnte es Ekel nen­nen.

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Chinatown Ballers

Fotos: Copy­right © 2011 by Dirk Anschütz (Home­page | Web­log)

Nach dem ers­ten Bild fol­gen wei­tere, auch eines von Matt Pen­rose, es ist der Mann mit der grauen Woll­kappe, sein Blick fokus­siert etwas außer­halb jenes Rah­mens, der sich dem Betrach­ter erschließt. Was auch immer es sein mag, man spürt sofort seine Fähig­keit, ein Ziel zu errei­chen; gleich­zei­tig nimmt man die Ambi­va­lenz wahr, die aus­rei­chend Fra­gen hin­ter den Deu­tun­gen offen lässt. So viel scheint klar: Der Mann liebt grau, und er liebt Fuß­ball. Matt Penorse ist Orga­ni­sa­tor von Group­stage, einer freien Fußball-Liga in New York, meist spie­len sie in Chi­na­town. Es gibt unter­schied­li­che Kate­go­rien, allen gemein­sam ist der Spaß. Und der Ernst.

Die­ser Zwei­klang ist Bild gewor­den in den Fotos von Dirk Anschütz. »Ich spiele seit über 13 Jah­ren Fuß­ball in New York«, sagt Dirk, und er erzählt von den Män­nern auf die­sen Fotos, es sind jene, die er als Mann­schafts­ka­me­ra­den kennt oder als Geg­ner, auf jeden Fall aber als Freunde und aus­rei­chend gut, dass er um die Posen weiß, in denen sich das für sie typi­sche zeigt. Bra­si­lien, Eng­land, Irland, Deutsch­land, USA, woher auch immer – in der »NY Soc­cer Com­mu­nity« tref­fen sich Men­schen im Spiel. »Ich kenne ihre Stär­ken und Schwä­chen auf dem Feld«, sagt Dirk, und sofort bin ich begeis­tert. Auch nei­disch, ein biss­chen, denn im Grunde ist es ja genau das, was ich mir wünschte, hier und für mich, und sowieso. Ich hatte immer geplant, wenn ich ein­mal ange­kom­men bin, mich einer der Grup­pen anzu­schlie­ßen, die hier um die Ecke auf dem gro­ßen Rasen spie­len, an unbe­stimm­ten Tagen, aber es kam nie dazu, ange­kom­men bin ich auch heute nicht. Viel­leicht hängt das zusam­men, weiß nicht, viel­leicht habe ich die Rol­len von Ursa­che und Wir­kung ver­tauscht.

Für mich jeden­falls klingt es nach einer idea­li­sier­ten Form des Fuß­ball­spiels, sie­ben gegen sie­ben auf Plät­zen, mit dem not­wen­di­gen Spaß, und dem Ernst den es braucht, für eine gute Begeg­nung. Viel­leicht steht das Kicken am Ende einer Folge von Din­gen, die rich­tig gemacht wur­den, schlüs­sig für einen Foto­gra­fen aus Deutsch­land, der irgend­wann weg­ging aus sicher bes­ten Grün­den, und der heute Fuß­ball spielt, in sei­ner Frei­zeit in New York, Chi­na­town, mit Men­schen aus allen Ecken der Welt, und mit Spaß, und mit Ernst.

Ich habe ein­tau­send Fra­gen.

Dirk Anschütz hat eine Home­page und ein Web­log, Groups­tage fin­det man hier.

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